Was der Bauer nicht kennt, das…

Business Momentum Contest
ja das frißt er nicht!

Ich weiß, das ist polemisch, aber es stimmt halt so oft, daß die konservative Grundhaltung der Landwirte zunächst einfach Neues blockiert.

In Punkto Internet und Netz-Kommunikation spaltet sich bei den Bauern so richtig der Markt. Da gibt es die ganz Fitten, und dann gibt es die große Masse der Trägen.

Wenn einer was von mir will, dann wird er sich schon melden.

Solche Aussagen höre ich viele. Spricht irgendwie für viel Selbstvertrauen, möchte man meinen. Aber dasselbe Klientel sagt auch:

Wenn ich das gewußt hätte?

„Wenn ich also gewußt hätte, dass der Weizenpreis steigt, dann hätte ich früher eingekauft. Aber ich bin ja um XXXX € beschissen worden. Mir hat es keiner gesagt“. Undsoweiter undsoweiter…

Dabei ist das Internet voll von Marktinfos für Landwirte. Ja, es gibt sogar den Landhandel, der gezielt solche Informationen versucht an den Landwirt zu bringen.

Gestern z.B. am 30.01.2014 veröffentlichte die LEG Handels GmbH & Co. KG www.dieleg.de eine Prognose zu dem Thema Getreidemarkt und Ausblick ins Frühjahr 2014. Ich gebe die Prognose hier nicht einfach wieder, denn sie ist vertraulich für vertragliche Kunden bestimmt, die diese Informationen auch bezahlen, weil sie wirklich bares Geld wert sind.

10, 20 oder 50 Cent mehr oder weniger je dt (dezitonne) bezahlt macht bei 500 dt  oder 1000 dt  oder noch mehr dt  Getreide richtig viel Geld aus.

Die LEG Handels GmbH & Co. KG www.dieleg.de betreibt seit Jahren ein eigenes Internet-Portal, wo laufend aktuell über verschiedenste Märkte die registrieten Vertragskunden informiert werden. DieLEG beschäftigt sogar Spezialisten, die den Markt beobachten und dann gezielt ihre Kunden informieren.

Für Dieter Bay, den Geschäftsführer der LEG ist das eine Selbstverständlichkeit. Die Märkte schwanken, früher gab es keine Tagespreise, heute sei das normal. Wer als Landwirt sich nicht informiere, habe schnell das Nachsehen. Der Informationsdienst sei eine Selbstverständlichkeit für seine Vertragskunden. Aber mehrere hundert Kunden jede Woche anzurufen sei auch nicht möglich. So sein knappes Statement.

Solche Informationsdienste wie DieLEG gibt es im Internet viele. Am Informationsangebot also kann es nicht liegen.

Information ist eine Holschuld.

Das ist starker Tobak, ich weiss. Heisst das doch. Wenn ich das nicht gewusst habe, dann bin ich selber schuld. Ich hätte mir halt die Infos holen müssen. Die Info dazu ist ja da!

Alle haben dasselbe Problem.

Da ich sehr viel beruflich mit landwirtschaftlichen Organisationen zu tun habe, höre ich deren Sorgen jeden Tag. Da klagt die Sekretärin des Zuchtverbandes, daß sie die lukrativen Ecportaufträge nicht erfüllen können, weil sie es nicht schaffen innerhalb von wenigen Tagen alle ihre Verbandsmitglieder zu erreichen, da nur 10 Prozent Email-Adressen haben und sie von den meisten auch keine Faxnummern hätten. Rundschreiben per Brief aber kosten Geld und vor allem auch Zeit. Bis dahin hat das Schiff wieder mal mit Holländischen Rindern abgelegt, weil die einfach innerhalb einer Woche den Kahn voll bringen!

So, das klingt jetzt schon ein bischen wie Frust, oder?

JA es ist auch irgendwie traurig, wieviel denn bäuerliches Geld verschwendet wird, weil einfach das Problem gar nicht erkannt wird.

Eine letzte Rechnug dazu:

  • 40 Mrd € beträgt die direkte Wertschöpfung (Wert der Agrarprodukte) der deutschen Landwirte jährlich.
  • 546 Mrd. € jedoch werden durch die Vor- und Nachgelagerten Bereich der Landwirtschaft jährlich erwirtschaftet. *Quelle: http://www.agra-europe.de/vernetzung.htm

Der Vor- und Nachgelagerte Bereich kommuniziert mit Landwirten um entweder Rohstoffe von den Landwirten zu kaufen oder Produkte an die Landwirte zu verkaufen.

Wie viel von den 546 Mrd € jährlich geben diese Vor- und Nachgelagerten Bereiche für Kommunkation mit den Landwirten aus?

Ehrlich gesagt, ich habe keine Zahl und keine Statistik darüber gefunden. Aber ich weiss, dass jeder Vertreterbesuch 100 bis 200 € kostet (Personal + Fahrtkosten), daß jedes Telefonat 10 bis 30 € kostet, dass manche daß manche Vertriebs- oder Rohstoffbeschaffungsabteilung einer Firma einige Prozent der Wertschöpfung für (schwerfällige) Kommunikation verbraucht.

Liebe Landwirte:

  • 1% Vertriebskosten Ersparnis von 546 Mrd. € sind 5,5 Mrd €

  • 5,5 Mrd € aufgeteilt auf alle 290.000 landw, Betriebe in Deutschland ergibt sagenhafte 18.827 € je Landwirt,

Wie lange muss jeder Einzelne für so eine Summe arbeiten? Denkt doch bitte mal darüber nach.

Alois

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2 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hallo Philipp,

    ja, 18 TSD € einfach abschöpfen wäre schön. Die Zahl ist sicher theoretisch. Sie soll vor zeigen, dass da was drin ist? Für Dich und auch für mich.

    Aber man muss es sich holen.
    – Information als Holschuld
    – verlässliche Kontakte und Quellen als Holschuld
    – Zeit- und Kraftgewinn als Holschuld
    – Sicherheit als Holschuld

    Ein vordergründiges Problem ist sicher, dass ich den Ertrag der Vernetzung selten direkt in EURO beziffern kann. Aber manchmal eben doch, z.B. wenn ich meine neues Auto übers Internet um 3000 EUR günstiger bekomme als beim Händler.
    Oder ich kann den Händler auf diesen Level runterschrauben.

    Diese Momente muss ich mir aber auch bewusst machen.

    Alois

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