Ein Zitat führt zur Vision

Als Landwirtschaftsmeister übernahm ich 1990 den elterlichen Hof. Sofort plante ich das Wachsen meines landwirtschaftlichen Betriebes um das geradlinig weiterzuführen, was meine Eltern aufgebaut hatten.
Doch dann, in einer Sitzung beim Bauernverband in Herrsching kam ein Zitat daher, von Dr. Karl Bosl, einem anerkannten Historiker, der 1985 den Bauernstandes  so skizzierte:

Der traditionsverhaltene Landmann des 20. Jahrhunderts steht der wortgewandten, selbstbewußten Welt der Händler und Manager, dem ungewohnten Marktmechanismus hilflos gegenüber. Vorsicht und Tradition allein helfen dem ernsten, unsicheren, schlichten und ehrlichen Menschen auf dem Lande nicht mehr. Sein Lebensstandard bleibt weit hinter dem der Städter zurück. Technik und Organisation sind an sich seine Helfer, aber die fortschreitende Technisierung zerstört auch seine Lebenswelt.“

Das war fast ein Schock für mich. Ich zweifelte die Aussage an, stammte sie doch von einem, der von Landwirtschaft keine Ahnung hatte. Doch die errechneten Zahlen meiner Planungen nagten auch an meinen Nerven. Vaters Schulden waren noch gar nicht abbezahlt, aber ein neuer Stall brauchte wieder neue Kredite. Ebenso wie ich auch größere Maschinen brauchte, für noch mehr Schlagkraft bei der Ernte, um noch mehr Fläche zu bewirtschaften. Und die Prognose für den Milchpreis war schlecht. Als Milchbauer musste man den Milchpreis nehmen wie er ist, da kann man nichts machen, war die Aussage der Experten.

Aha, es dämmerte es mir. „Ich bin also Bauer und kann nichts machen!“ „Ich stehe also dem Marktmechanismus hilflos gegenüber…!“ Hatte der Bosl vielleicht doch recht?

Ich war damals schon von den Thesen des amerikanischen Zukunftsforscher  John Naisbitt inspiriert, der die Globalisierung vorhersagte und auch dafür stand, daß das „Leben und Arbeiten auf dem Land“ die Lebensformsform schlechthin werde, weil die Telearbeiter der Zukunft sich die Arbeit auf das Land holten und nicht umgekehrt. Und weil man mit dem Internet weit entfernte Märkte erreichen kann.

Ich kippte damals alle meine Stallbaupläne und suchte nach neuen Wegen meinen Hof in die digitale Zukunft zu bringen um ihn dann der nächsten Generation als Wert und Existenz zu übergeben.

1994 gründete ich mit anderen Landwirten eine Einkaufsgemeinschaft, die zuerst nur mit Faxgeräten, später dann über Mailboxen und schließlich mit einem Internet-Portal Mengen bündelte und am Markt bessere Preise verhandelte.

1998 baute ich dann tatsächlich meinen Stall um, aber als Telezentrum, wo die Service-Zentrale der Einkaufsgemeinschaft, und auch weitere Firmen mit Glasfassertechnik pfeilschnelles Internet haben konnten.

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Nun, meine Vision von damals  ist größtenteils aufgegangen. Meinen Hof gibt es immer noch. Ich habe eine Firma und Gewerberäume auf meinen Hof und meine Kinder haben teilweise Arbeit dadurch. Und in ein paar Jahren werde ich Firma und Hof übergeben können.

Und trotzdem möchte ich noch mehr erreichen.

Ich bin von meinem Persönlichkeitstyp her ein „Überzeuger und Förderer“. In den Einkaufsgemeinschaften konnte ich Menschen überzeugen, neue Wege zu gehen. Mich macht es glücklich, wenn ich Menschen dabei helfen kann zu wachsen.

Weil ich selbst überzeugt bin, daß wir als traditionsbewußte Bauern, der Welt der Händler und Manager nicht hilflos gegenüber stehen. Daß die Menschen intelligent und lernwillig  ihre Geschicke selbst in die Hand nehmen können.

Und das ist der Hauptantrieb für diesen Blog NetzLandwirt.

Der Strukturwandel der Landwirtschaft geht brutal seinen Weg. Viele Landwirte werden weichen müssen, damit ein paar wenige übrig bleiben. Von der Natur ganz zu schweigen.

Aber es gibt nicht nur Wachsen oder Weichen, sondern es gibt sehr, sehr viel Raum dazwischen. Für mich gibt es dabei 2 entscheidende Faktoren:

  • Der bäuerliche Mensch, der sich entweder öffnet oder sich traditionell verhält
  • Die Vernetzungsmöglichkeiten, die genutzt werden oder nicht.

Ich glaube an die Zukunft des bäuerlichen Menschen. An seine Lern- und Anpassungsfähigkeit. Ich will meine Lebenserfahrung und mein Wissen an willige Menschen weitergeben.

Alois

 

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