Hör mir zu!

Was muss ich sagen, damit ich andere überzeuge? Solche Fragen stellen wir uns, wenn es darum geht zu kommunizieren. Unsere Vorbilder sind dabei gute Redner.  Doch das Zuhören ist so wichtig wie das reden. Vielleicht sogar noch wichtiger.

Wie werde ich zum interessanten Gesprächspartner?

Mit wem reden Sie gerne? Mit jemandem der sie nie aussprechen lässt, der ständig auf sie einredet? Wohl kaum. Jeder mag lebendige Unterhaltungen, wo man selbst zu Wort zu kommt und dazu noch Interessantes vom Anderen erfährt. Zugegeben, seinem Gesprächspartner aufmerksam und aktiv zuzuhören ist nicht immer einfach, aber es ist die Grundvoraussetzung für ein gutes Gesprächsklima.

Aktives Zuhören als Gesprächstechnik kann relativ einfach erlernt und angewendet werden. Das Wichtigste dabei ist, den anderen aussprechen zu lassen und dann das Gesagte nicht sofort zu werten, sondern dem Gegenüber dazu interessierte Fragen zu stellen. Dadurch bekommt der Gesprächspartner das Gefühl, von Ihnen voll und ganz akzeptiert zu sein. Er oder Sie öffnet sich dann noch mehr. Das können Sie dann nutzen um Ihre Anliegen gezielt einzubringen.

Es geht also darum das gute Gesprächsklima herzustellen und aufrechtzuerhalten. Das ist ganz besonders wichtig, wenn Konflikte und emotional aufgeladene Diskussionen gelöst werden sollen. Ein starkes „Gefühl“ blockiert sehr schnell die reale Vernunft. Kann man sogar wissenschaftlichlich erklären, weil die Gefühle im Stammhirn (Reptiliengehirn) sitzen und die Vernunft im Großhirn.

Ein Beispiel: Das Kind hat sich den Finger eingeklemmt und rennt schreiend zur Mutter. Wenn die Mutter nun zum Kind sagt, „alles halb so schlimm – bist doch selber Schuld“, dann schreit und weint das Kind weiter. Es fühlt sich mit seinem schmerzenden Gefühl nicht verstanden. Wenn die Mutter aber bestätigt, „…oh, das hat dir sehr weh getan“, dann weiß das Kind sich verstanden und hört sofort auf zu schreien. Und weil es sich beruhigt, kann die Mutter auf der Sachebene nun einen Lerneffekt beim Kind unterstützen, indem die Situation vernünftig erläutert werden kann. Dies ist vorher nicht möglich, solange die Emotion des Kindes alles überlagert.

Dieses einfache Beispiel kann auf sehr viele alltägliche Situationen übertragen werden, indem man aufmerksam zuhört und dann als Reaktion das Verstandene mit eigenen Worten wiedergibt. Um beim Beispiel zu bleiben: „Ich habe verstanden, dass es Dir sehr weh tut“. Das heisst aber noch lange nicht, dass die Mutter ein mögliches Fehlverhalten des Kindes akzeptiert. Wahrscheinlich war es selbst schuld und das muss dann auch als Lerneffekt anschließend dem Kind vermittelt werden.

Hier sind wir nun bei einem weiteren, wesentlichen Punkt des aktiven Zuhörens: das wertfreie Wiedergeben respektiert zwar die Meinung des Anderen, doch es akzeptiert nicht einfach die Meinung des Anderen. Das ist ein großer Unterschied. Besonders effektiv sind Fragen als Antworten: „Habe ich das richtig verstanden, dass…“, führen automatisch zur intensiven Auseinandersetzung in die Sachebene.

Damit nun nicht alles graue Theorie bleibt hier ein Beispiel vom letzten Sommer, über das ich einen Blogbeitrag geschrieben habe: Mein Zusammentreffen mit der Roundup sprühenden Rennterin. Zunächst war auch ich wütend über das Verhalten der Rentnerin, weil sie neben meiner Bio-Bergwiese Roundup spritzte. Auf der anderen Seite war sie „not amused“, dass sie sich für etwas rechtfertigen sollte, was für sie das Normalste der Welt war. Aber mit mehreren Nachfragen konnte ich den Sachverhalt darstellen und ich bin mir sicher, dass sie die Sache nun anders sieht und auch ihr Verhalten ändern wird.

Über das „Aktive Zuhören“ gibt es im Internet viele Infos. Es gibt auch einen Buchklassiker: Die Familienkonferenz vom Erfinder der Gesprächstechnik, dem Amerikaner Thomas Gordon. Das Buch ist methodisch auf die Anwendung in der Familie aufgebaut, jedoch sind die Übungen und Beispiele universell anwendbar.

Nun genug der Theorie: Probieren geht über studieren. Viel Erfolg dabei. 🙂

Alois

 

Links und Buchtipp:

https://de.wikipedia.org/wiki/Aktives_Zuh%C3%B6ren

https://www.absolventa.de/karriereguide/rhetorik/aktives-zuhoeren

 

(Visited 221 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.