Gefühl statt Fakten

Ich ermuntere gerne Bäuerinnen und Bauern selbst in Sachen Öffentlichkeitsarbeit aktiv zu werden. Oft erfahre ich dann von frustrierten Dialogen mit kritischen Verbrauchern, die ganz offensichtlich die fachlichen Argumente der Landwirte nicht gelten lassen wollten – so die Meinung der Landwirte.

Fachkompetenz kontra Gefühle

Landwirte trumpfen oft ganz schnell mit Ihrer Fachkompetenz auf. Schließlich sind die allermeisten sehr gut ausgebildet und verfügen über sehr, ja sogar über sehr viel Fachwissen. Doch dabei „verschießen sie ihr Pulver“ zu früh. Hier trifft Fachwissen auf Gefühle. Der Landwirt sagt, „ich brauche den Ferkelschutzkorb, sonst sind die Ferkelverluste zu hoch“. Und die Kritiker sagen, so kann doch keine Mutter-Sau artgerecht ihr Leben leben. Die Kritiker fühlen also mit dem Tier, während der Landwirt fachbetont sagt, die Sau darf sich nicht bewegen, weil sie sonst die Ferkel erdrückt. Dazu noch das Argument der Wirtschaftlichkeit. Die Klatsche der Kritiker folgt prompt: „Ihr Bauern macht doch alles nur wegen des Geldes!“ Der zarte Dialog ist am Ende, obwohl er noch gar nicht richtig angefangen hat.

Wie solche Hürden überwinden?

Indem ich als Landwirt akzeptiere, dass mein Kritiker hier Gefühle hat. In jeder Verkaufsschulung lernt man als erstes sich mit dem Gegenüber zu synchronisieren. Man braucht eine Kommunikationsbasis, bevor man die Vorzüge seines Produktes anpreisen kann. Der Empfänger muss auf Empfang schalten, sonst sendet der Sender alles vergeblich. In unserem Beispiel mit dem Ferkelschutzkorb nimmt der Kritiker den Landwirt als Tierquäler wahr – er fühlt es jedenfalls so. Die Argumentation mit dem Geld und Wirtschaftlichkeit bestärkt ihn nun darin, dass dieser Landwirt doch nur das Tier quält um Profit daraus zu schlagen. Das ist dann nicht selten der Punkt wo der oder die Kritiker einen sogenannten Shitstorm über den Landwirt lostreten. Der „fachliche“ Schuß geht hier also nach hinten los.

Empathie ist der Schlüssel

Empathie ist die Bereitschaft Emotionen zu verstehen. Ein öffnendes „ja, ich verstehe …“, wirkt Wunder. Bei unserem Beispiel mit dem Ferkelschutzkorb ist der Landwirt also gut beraten auch seine Empathie dem Tier und dem Kritiker gegenüber zur Annäherung auszudrücken. Dass ich es als Landwirt nachvollziehen kann, wenn jemand mit dem Tier „mitfühlt“. Daß ich jedes meiner Tier schätze, dass ich es deshalb pflege und möchte, dass es ein gutes Leben hat.

Wer fragt – der führt

Eine weitere gute Gesprächstechnik ist es Fragen zu stellen. Wenn ich gefragt werde, dann spüre ich ganz natürlich das Interesse des Anderen an mir. Satzanfänge, wie „Verstehe ich das richtig, ….“  verstärken das gegenseitige Interesse aneinander. Stellt dem Kritiker Fragen – und ganz nebenbei behält man so die Gesprächsführung. Bevor man irgendwas vom Gegenüber vermutet – fragt nach. Es geht letztendlich darum sich ein bisschen „zu verstehen“. Es heisst noch nicht, dass sie sich einig sind. Erst wenn Verständnis füreinander da ist, dann ist die Kommunikationsbasis so gut, dass nun die Fachlichkeit wirken kann.  Aber nicht voher.

Probiert es doch mal aus. 🙂

Alois

 

(Visited 522 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.