Der digitale Bauer ist zufrieden

Heute mal eine etwas andere Kost. Bevor es hier im Blog zu ernst zugeht? Eine mehr oder weniger satirische Kurzgeschichte…

Der digitale Bauer ist zufrieden

Otmar las hastig die Zeitung. Eigentlich klickte er sie einfach durch. Denn Otmar mag es gern seine Zeitung auf seinem iPad zu lesen. Auf seinem Einödhof hatte er die Zeitung früher immer erst Mittags mit der Post gekriegt. Aber nun genießt er es, genauso wie die Städter, jedem Morgen seine frische Zeitung zu lesen.

Plötzlich stach ihm eine Überschrift ins Auge.

Experte warnt vor Internetabhängigkeit

Otmar zoomte sofort geschickt mit seinen Fingern zum Artikel. Mit den allzeit verfügbaren digitalen Helfern verkümmere das Gehirn, las er dort. Schon die Kinder würden nicht mehr gescheit lernen zu lernen. Solche Kinder könnten als Erwachsene dann ohne die digitalen Helfer nicht mehr überleben.

„Aha“, dachte Otmar. „Dann kommt es also nicht mehr drauf an, ob ich Abitur oder Hauptschule habe, dann ist es entscheidend ob ich auch ein gescheites Smartphone habe?“

Otmar musste innerlich lachen. „Da bin ich ja schon mal gut dran. Ich habe ein iPhone und ein iPad!“, sagte er sich zufrieden.

Aber fast zeitgleich stieg auf einmal wieder seine Wut in ihm hoch.

Wut auf die Experten.

Als Bauer hat man es jeden Tag mit sog. Experten zu tun. Studierte-, amtliche-, ökologische- und weiss der Geier was sonst noch für selbsternannte Experten sagen einem Landwirt in den Medien laufend was sie wie machen sollten oder falsch machen. Solche Leute haben für ihn keinen Menschenverstand mehr, sondern nur noch einen schmalen egoistischen Klugscheisserblick.

Er spürte den Reflex, wie sich seine Hand versuchte zur Faust zu ballen. Und wollte am liebsten auf das iPad hauen. Seine Gedanken begannen zu rasen.

Und die sogenannten Experten machen sich sowieso immer bloß wichtig. Wie soll denn bitteschön ein Kind in der digitalen Welt der Informationsgesellschaft zurecht kommen, wenn es ohne gescheites Smartphone auf die Welt kommt, bzw. es in einem altmodischen analogen Haus aufwachsen muss.

Da muss das Kind dann mit Dreck spielen, bääh, greislich! Diese Experten wissen ja gar nicht, wie beschwerlich es früher ohne Internet war. Wenn die alten Bauern erzählen, dass sie früher als „junge Saicher“ um halb fünf in der Früh aufstehen mussten um Holz zu machen. Dass es immer nur Kässpatzen und „Kratzat“ zum Essen gab. Und dass sie für „dumm gehalten“ worden sind.

Um wieviel leichter hat es der digitale Bauer heute. Alle seine Daten hat er in mylaiko (Betrieb Online) gespeichert. Die ganze Familie ist vernetzt mit Kalendern und Quicknachrichten. Im Stall hat längst der Melkroboter alles unter Kontrolle und mit dem digitalen Wetter-App von Meteo-Blue hat er sogar das unberechenbare Wetter im Griff.

Alles läuft intelligent in mylaiko zusammen. Mit dem iPhone braucht er nur noch das Gras zu scannen und blitzschnell berechnet das App den optimalen Schnittzeitpunkt, legt in Absprache mit Meteo-Blue den Ernte-Termin eine Woche im Voraus fest. Checkt die Wartungsstände der Traktoren und Maschinen, bestellt noch automatisch Diesel und Bier nach und bucht auch das Date mit der Liebsten sofort um, falls es dem Mähtermin im Wege steht.

Und seit er im öffentlichen Kälbchengeburtstagskalender (Hier-Tier) jedes Kalb mit Bildchen veröffentlicht, kriegt er für manches Kalb über Likes und satte Zugriffzahlen sogar mehr Werbe- und Spendengelder als Verkaufserlös. 😉

Otmar sein Gedankenstrom wurde wieder entspannter. Seine Mundwinkel gingen leicht nach oben und die Gefahr für das iPad verhauen zu werden war gebannt.

Aber die Experten sollten doch nicht immer so einen Mist daher reden! Weil mit Mist kennt sich ein Bauer auch noch besser damit aus.

😉 Alois

 

PS: Ein bisschen Wahrheit, ein bisschen Vision und jede Menge Spaß. Ich kann auch über mich selber schmunzeln. Wie findet Ihr solche „Geschichten“?

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