Bauer sucht Technik

Viele Mitbürger schütteln heutzutage den Kopf, wenn sie große Maschinen auf den Feldern oder auf den Straßen sehen. Manche spotten gar darüber, dass Bauern einerseits teure Schlepper fahren und andererseits jammernd nach dem Staat rufen. Doch dass ausgerechnet diese moderne Technik unserer Gesellschaft Wohlstand und dem Verbraucher seine geliebten Schnäppchen ermöglichen – auf diesen Zusammenhang kommen die Wenigsten.

Produktiver arbeiten bedeutet eine höhere Leistung pro Zeiteinheit. Wenn früher mit der Sense maximal ein Tagwerk (3300 m2) an einem ganzen Tag gemäht werden konnte, dann schafft man das als Bauer heute mit entsprechender Mechanisierung in wenigen Minuten. Doch diese Mechanisierung hat auch ihren Preis: Die Landwirtschaft gehört mittlerweile mit zu den kapitalintensivsten Branchen überhaupt. Mit 465.100 Euro Kapitalbedarf je Arbeitsplatz* ist die Landwirtschaft inzwischen Spitzenreiter. Bei der Industrie zum Beispiel fällt die Kapitalintensität mit 235.900 Euro je Erwerbstätigen* deutlich niedriger aus. Im Handel sind es sogar nur 120.600 Euro und im Baugewerbe lediglich 38.500 Euro. *Quelle: BV-Situationsbericht 2014/15

Die Technisierung der Landwirtschaft bedeutete auch einen Rückgang der in der Landwirtschaft Beschäftigten. Und sie förderte auch den Strukturwandel in Richtung immer größerer Betriebe, die sich die immer aufwändigere Technik auch leisten können. Schon der Mansholt-Plan in den 60er Jahren fußte auf der Notwendigkeit des Wachstums (Strukturwandel) um die Mechanisierung rentabel werden zu lassen. Und dieser Prozess hält an, übrigens auch bei Bio-Betrieben. Ob Schlepper, Pflug, Mähdrescher oder Roder: die eingesetzten Maschinen sind bei beiden Produktionsformen gleich und die Interessen der Bauern auch.

Und so ziehen mich als Bauer die „neuen tollen Maschinen“ magisch an. Sind sie doch ein Stück meine Perspektive für die Zukunftsfähigkeit meines Hofes. Dass die Wahl der „richtigen“ Marke auch etwas mit Prestige zu tun hat möchte ich nicht verschweigen. Das ist bei der Wahl der Automarke ja auch so, warum soll es bei uns Bauern anders sein?!

Große Investitionen bergen jedoch auch immer ein Risiko für den Betrieb und wollen gut überlegt sein. Entscheidend wird dies dann, wenn die moderne Technik nicht mehr die Akzeptanz der Gesellschaft findet, wie z.B. in der Tierhaltung. Neue Ställe mit moderner Technik kosten Millionen, es müssen also viele tausend Schweine oder viele Millionen Liter Milch über Jahre hinweg erzeugt werden, damit sich die Investition am Ende auch tatsächlich amortisiert. Neue Trends in der Ernährung wie vegetarisch oder vegan wollen abgewogen werden, ebenso neue Auflagen durch den Gesetzgeber oder auch wachsende und sich wandelnde Ansprüche der aufnehmenden Hand und der Kunden. Da wundert es nicht, wenn bei vielen Bauern die Nerven blank liegen und sie sich fragen, ob die heute getroffene Entscheidung auch in 10 Jahren noch gültig ist.

Drohne-Weinberg_640Dass viele Mitbürger die rasante Entwicklung der Landtechniken skeptisch sehen oder gar ablehnen, hängt wohl auch mit der fachspezifischen Anonymität zusammen. Wenn beim Auto die digitale Welt als Web 4.0 Einzug hält, dann bekommt das jedermann mit, darüber wird viel gesprochen und geschrieben. Dass dasselbe zeitgleich auch in der Landwirtschaft passiert, bekommen die meisten Bürger nicht mit. Mit der romantisierenden Sehnsucht nach der guten alten Zeit wertet man dagegen derartige Hightech-Entwicklungen vorschnell ab. Dabei haben aber gerade diese enorme Potentiale in Richtung Umweltschutz. Dazu gehört unter anderem die Reduzierung von Pflanzenschutz mittels Befallsanalysen durch Drohnen (siehe Bild) oder die exakte Nährstoffausnutzung durch ausgefeilte Gülletechnik. GPS gehört in der Landwirtschaft heute schon fast zum Alltag und macht eine teilflächenspezifischen Bewirtschaftung – beginnend bei der Analyse bis hin zur Ausbringung – erst möglich. Und spart Ressourcen.

Tue Gutes und sprich darüber. Es wird Zeit, den Nutzen und die Erfolge der modernen Landtechnik breiter zu kommunizieren, so dass sie auch den sogenannten „normalen“ Bürger erreichen. Der Werbeslogan eines namhaften deutschen Automobilherstellers „Vorsprung durch Technik“ gilt durchaus auch in der Agrarbranche.

In diesem Sinne: Schaff Dir Dein Netz

Alois

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Ein Kommentar, sei der nächste!

  1. Alois, da muss ich dir Recht geben. Die heutige Landwirtschaft, nennen wir sie mal Landwirtschaft 4.0 kommt ohne moderne Technik nicht aus.
    Als Biobauer, der keinen chemischen Pflanzenschutz ausbringen darf, freut es mich schon auf Geräte, die bei der Überfahrt Unkräuter erkennen, rausreissen und einsammeln.
    Das wäre eine immense Arbeitserleichterung.
    Der Slogan der Landwitschaft 4.0 muss heissen: „Tue Gutes und rede darüber“
    Egal ob in Printmedien, Farmclips oder Social Media: Die Botschaft muss raus, die Konsumenten müssen erkennen: Mensch, die Bauern, die habens aber drauf!

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