5 Schritte für Landwirte zu effektiver Öffentlichkeitsarbeit

Die TV-Diskussion bei Günther Jauch hat es jüngst wieder gezeigt: Die Verbraucher wissen wenig über unsere Landwirtschaft, und vor allem viel zu wenig darüber, wie modern und hochtechnologisch die Agrarwirtschaft heute arbeitet. Damit sich dies ändert, muss jedoch jeder Einzelne mithelfen, die Kommunikation aus der Landwirtschaft zu verbessern.

Gastartikel von Corinna Bause

Warum sollten Landwirte deshalb mit der Presse aus ihrer Region, zum Beispiel den Tageszeitungen, Radio-Sendern und Fernseh-Redaktionen, Kontakt knüpfen? Weil genau diese Medien Menschen erreichen, die für das Verständnis von Landwirtschaft wichtig sind: die Nachbarn, Betriebe am Ort, Lokalpolitiker, Mitarbeiter und deren Familien und natürlich potenzielle Käufer aus dem Umland. Außerdem sind sie offen für regionale Themen, während FAZ, Spiegel und Co auf nationale und globalere Berichterstattung fokussiert sind. Wer bisher noch keinen Kontakt zu Journalisten hatte, fragt sich vielleicht, wie man die ersten Schritte macht. Es ist nicht schwer. Wenn Sie den „Dreh“ mal heraus haben, dann können Sie mit diesen 5 Punkten sogar Marketing für Ihre Direktvermarktung machen.

Aber der Reihe nach:

1. Wie spreche ich die Presse an?
Am besten erstellt man zuallererst eine Liste mit Medien aus der Region, die interessant sein könnten. Das kann die regionale Bauernzeitung, die örtliche Tageszeitung und natürlich TV und Radio sein. Ein Tipp: Stadtverwaltungen haben meist umfassende Listen der vor Ort ansässigen Medien. Ein Anruf in jeder Redaktion erbringt den richtigen Ansprechpartner für Themen aus der Landwirtschaft und dessen Kontaktdaten. So entsteht schließlich eine Liste mit konkreten Kontaktpersonen, an die man sich wenden oder die man mal einladen kann.

2. Was ist für die Presse interessant?
Versetzen sie sich in die Rolle der Presse hinein. Die Presse sucht Themen, die für ihre Leser spannend sind. Lesergruppen sind dabei klar definiert und eingegrenzt: Eine Bauernzeitung beschäftigt sich mit fachlichen Themen, der neusten Stall- oder Erntetechnik etc. Leser einer allgemeinen Tageszeitung würden solche Details vielleicht nicht verstehen und deshalb als nicht relevant einstufen. Sie würden lieber erfahren, ab wann es beim Bauern ums Eck wieder frischen Spargel, Erdbeeren etc. gibt, oder warum der Traktor bereits im Frühjahr mit Gülle über das Feld fahren muss. Egal welches Thema dem Leser/der Presse vorgestellt werden soll, es muss gut vorbereitet sein, die Story muss stimmen.

3. Welche Story habe ich über meinen Hof zu erzählen?
Jeder hat eine Geschichte zu erzählen. Wie lautet Ihre? Fassen Sie die Entstehungsgeschichte Ihres Betriebes zusammen – von der Entstehung, über Veränderungen in der Landwirtschaft bis zu aktuellen Schwerpunkten und Zukunftsplänen. Sie bauen einen neuen Stall?  Dokumentieren Sie es mit Bildern und stellen Sie diese ins Netz oder schicken sie an die Lokalzeitung. Sie planen die Anschaffung neuer Maschinen? Laden Sie Unternehmer aus der Nachbarschaft ein, zeigen Sie Ihren Betrieb und tauschen sich mit ihnen aus: Über Finanzierung, die örtliche Wirtschaft oder die Politik. Scheuen Sie sich nicht, auch ganz klar Probleme anzusprechen. Wenn Sie eine eigene Webseite haben, können Sie hier ihre Geschichte wunderbar präsentieren. Für die Presse kann sie auch separat als Pressemappe aufbereitet werden.

4. Netzwerken über das Netz?
Unabhängig von einer Ansprache der Presse können Sie heute in Bezug auf Öffentlichkeitsarbeit sehr effektiv auch das World Wide Web nutzen Über eine gute Website, einen eigenen Blog und eigene Profile in sozialen Netzwerken verschaffen Sie sich mehr Sichtbarkeit und vernetzen sich mit Ihren relevanten Gruppen. Wichtig ist dabei, konstant und über einen längeren Zeitraum aktiv zu sein und sich zum Beispiel an Diskussionen zu beteiligen.

5. Zusammen geht es besser.
Wenn Sie ähnliche Ziele wie andere Betriebe aus Ihrem Umland haben, dann ziehen Sie doch in Bezug auf Öffentlichkeitsarbeit an einem Strang. Überlegen Sie gemeinsam, was mit welchen Mitteln erreicht werden soll. So kommen mehr Ideen zustande und die Arbeit wird auf mehrere Schultern verteilt. Wenn das klar ist, dann spielt man sich ganz leicht gegenseitig die Bälle zu. Da wäre es dann auch mal drin, z.B. eine gemeinsame Broschüre zu erstellen oder eine gemeinsame Homepage. Zudem geben viele Gesichter und Persönlichkeiten einem Anliegen viel mehr Gewicht, als wenn immer nur derselbe sich meldet. Und zuletzt wird man allein oft sehr schnell müde, während Gleichgesinnte sich immer wieder gegenseitig aufmuntern und unterstützen.

Fazit: Im Prinzip ist es nicht schwer, Öffentlichkeitsarbeit zu machen. Man stellt es sich meist viel schwieriger vor. Denken Sie immer daran, dass die anderen auch nur mit Wasser kochen und haben Sie keine Angst davor. Vieles ergibt sich ganz automatisch, wenn man sich mal auf den Weg macht. Darum gebe ich Ihnen den ehrlichen Rat einfach mal anzufangen. Mit Punkt 1: Machen Sie Ihren eigenen Presseverteiler. Dann werden Sie fast von selbst Informationen verteilen, weil Sie eben wissen, wohin Sie verteilen können.

Und noch ein Tipp: Es gibt nicht nur die Presse als Adressat. Auch Schulen und Kindergärten und sonstige Einrichtung, sind interessante Zielgruppen, die man schon heute über „moderne Landwirtschaft“ aufklären kann.
Viel Erfolg wünscht Ihnen
Ihre Corinna Bause

Über mich:
BauseIch berate seit 1999 Unternehmen und Einzelpersonen in allen Fragen ihrer Kommunikation. Diese kommen aus der Agrarbranche, aber auch aus dem Maschinenbau, der Industrie oder Logistik… Zu den Tätigkeiten gehört die hier beschriebene Pressearbeit als großer Baustein, aber genauso auch die Gestaltung von Infomaterialien, Firmenbroschüren oder die Organisation von kleineren Events. Seit einigen Jahren fragen unsere Kunden zunehmend auch nach Unterstützung für ihre Website oder im Bereich Social Media. Mit unserem kleinen Agentur-Team http://www.vocato-pr.de/ am Stadtrand von Köln setzen wir verschiedenste Kommunikationsmaßnahmen für unsere Kunden um.

Warum Pressearbeit?
Man kann nicht „nicht kommunizieren“, lautet ein weiser Spruch aus der Kommunikationsbranche. Und da ist etwas dran! Jedes Unternehmen steht irgendwie in Kontakt mit anderen – Kunden, Nachbarn, Mitarbeiter und deren Familien, Medien und viele mehr. Wenn man mit seiner Arbeit von all diesen Menschen verstanden werden will, ist eines wichtig: jede Gruppe in der ihr eigenen Sprache und im richtigen Detailierungsgrad anzusprechen und zu informieren. Das ist die Kunst, und dabei sind wir behilflich.

 

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3 Kommentare, sei der nächste!

    1. Hallo Hans,
      ich weiss nicht, wie hoch Redaktionen Leserbriefe bewerten? Den besten Erfolg hat man immer, wenn man den Kontakt zur Redaktion und zu den Journalisten persönlich aufbaut.
      Ich weiss noch gut, wie ich als junger Kerl als Schriftführer beim Schützenverein angefangen habe, die Sportveranstaltungen der Schützen an die Regionalzeitung zu schicken. Die Beiträge wurden immer mit langer Verzögerung gebracht und dann wurden auch ganze Absätze rausgestrichen. Im Verein tröstete man mich mit dem Hinweis, das sei immer schon so gewesen. Der zuständige Sportredakteur würde das Sportschießen eh nicht als Sport anerkennen usw. Dann bin ich aber mal wegen einem Bild in die Redaktion gefahren und ich traute mich zu fragen, warum denn die Berichte immer so spät kamen und warum immer so gekürzt werde?
      Da antwortete der Redakteur ganz offen. Er sagte, dass die Texte einfach schlecht aufbereitet seien. Und er könne gar nicht korrigieren, weil ich so einen engen Zeilenabstand abliefere (Damals 1980er lieferte man die Texte tatsächlich noch in Papierform bei der Zeitung an). Um Arbeit zu sparen streiche er dann einfach ganze Absätze raus. Er gab mir dann ein Artikelvorlage mit und seine Telefonnummer. Ich solle ihn einfach fragen, weil je besser ich das bei ihm anliefern würde, desto weniger Arbeit habe er damit. Dann ginge es auch schneller.
      Ich lieferte ihm also von nun an „mundgerecht“ die Berichte, und siehe da, die wurden dann innerhalb weniger Tage gebracht und je enger der Kontakt wurde, desto mehr Platz bekam ich in der Zeitung. Der Kontakt wurde dann sogar noch so gut, dass ich auch immer wieder als „Aushilfsreporter“ angerufen wurde.
      Es lag also viel daran, einen ersten Schritt auf die Zeitung zu machen. Aber ohne Vorwurf, sondern einfach mal fragen. Der persönliche Kontakt ist sehr wichtig.

      Herzliche Grüße aus dem Allgäu
      Alois

      1. Hallo Hans, das ist auch unsere Erfahrung. Zeitungsredakteure haben chronische Hektik, stehen immer unter Zeitdruck und nehmen daher die Nachrichten ins Blatt, die sein MÜSSEN (weil es zum Beispiel um Politik, wichtige Unternehmen oder bekannte Personen geht) und darüber hinaus noch die, die man ihnen schon am besten vorbereitet hat.

        Das ist zum Beispiel unser Job als PR-Agentur: Wir liefern die Informationen so ab, wie Journalisten sie brauchen und möglichst ohne viele Nachfragen verwenden können.

        Was man selber tun kann: Persönliche Ansprache per Telefon und einfach mal fragen, was an Informationen von Interesse ist aus dem eigenen Betrieb. Auf die mögliche Nachfrage, was man denn zu bieten habe, könnte man sich vorher 1 oder 2 Themen zurechtgelegt haben: Die nächste große Neuanschaffung im Betrieb zum Beispiel, oder eine Anbindung an eine generelle Problematik vor Ort (politisch, lokal oder so). Oder natürlich eine Besonderheit des eigenen Betriebs, wenn man die hat…

        Im Allgemeinen sind Redakteure sehr aufgeschlossen, wenn man sie nicht gerade nachmittags kurz vor Redaktionsschluss (ca. 17 Uhr) anruft 😉 Und wenn man sich auch als Anbieter darstellt – und nicht als „Fordernder“. Viel Erfolg weiterhin!

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