365farmnet: Ist das nun die Bauerncloud?

Ab heute (28.10.2014) geht die derzeit wohl engagierteste Online-Landwirtschaftsplattform 365farmnet in den kostenpflichtigen Echtzeitbetrieb. Fast ein Jahr nach dem furiosen Start auf der Agritechnica 2013. Grund genug hier das Projekt mal ein bisschen näher zu betrachten.

Cloud = englisch die Wolke = der Online Datenspeicher

Bauerncloud = Wenn alle Betriebdaten des Landwirts in der Cloud sind

PC-Programme nutzen ja bereits sehr viele Landwirte zur Betriebsführung und Produktion. 365Farmnet bietet auch Funktionen und Programme – aber eben mit dem konsequenten Unterschied, daß alle Daten im Online-Speicher sind. Damit werden neue, für den Landwirt durchaus lohnendswerte Funktionen möglich:

  1. Echtzeit-Zugriff auf Daten und Programm über mobile Endgeräte, auch auf dem Schlepper, im Stall und überall.
  2. Übergreifende Funktionen und Dienstleistungen, auch durch Dritte. So wie z.B. der Tierarzt vom Landwirt autorisiert werden kann die Hi-Tier Daten des Landwirt zu nutzen.

Nach eigenen Angaben wollen die Macher von 365farmnet damit gewichtige Partner der Industrie mit Landwirten und Lohnunternehmern vernetzen und dem Landwirt wertvolle Funktionen zur vernetzten Betriebsführung bereitstellen:

Darüber hinaus werden Schnittstellen nach dem ISOBUS-Standard zur Maschinenkommunikation angeboten. Die Daten der Maschinen können nahtlos in Planungen und Dokumentationen in 365farmnet importiert werden.

Beispiel Ackerschlagkartei:

Das alles setzt aber voraus, dass der Landwirt seine Betriebs- und Prozeßdaten in den Online-Speicher von 365farmnet legt.

Ich selbst glaube absolut an den Sinn eines solchen Systems. Das ist für mich soz. die NetzLandwirt-Killeranwendung schlechthin. Aber das ist nur meine persönliche Meinung. Diese zählt aber bei der Fragestellung nicht.

Die große Frage: Ist das der Weg der Landwirte?

Denn, so toll die Möglichkeiten und Dienstleistungen auch sind. Mit dem Abgeben der intimen Betriebs- und Prozeßdaten wird man gegenüber dem Anbieter auch sehr, sehr gläsern.

Der transparente Client

Von Amazon sind wir das ja schon gewohnt.  Als Amazon-Kunde werde ich so nebenbei (durch stöbern und kaufen) ganz natürlich transparent. Das darauf folgende, punktgenaue Marketing, kann man sogar als angenehm empfinden, weil man nur Sachen empfohlen bekommt, die einen auch wirklich interessieren. Dem einen oder anderen kommoten Landwirt könnte das sogar gefallen.

365farmnet versichert ausdrücklich, daß sie sich an die strengen Bestimmungen des Bundesdatenschutzgesetzes halten werden.

Skepsis nicht nur bei Landwirten

Das umfassende Konzept der Bauerncloud finden interessanterweise die Meisten gut.

Aber man traut es den Machern vielfach nicht wirklich zu „offen“ und „neutral“ zu sein.  Zu groß scheinen die Einzelinteressenten der Investoren und Partner.

Beispiel integrierte KWS-Beratung

Der Handel, die anderen Züchter sind „not amused“ über sowas. Theoretisch sollten auf einer funktionierenden Vernetzungsplattform auch andere Anbieter Platz haben.

Beispiel Claas Telemetriedaten

Werden die anderen Big-Player, z.B. AGCO oder John Deere sich da (von Claas) integrieren lassen? Oder planen diese gar ihr eigenes Ding?

Vernetzung funktioniert mit offenen Standards

Wenn eine solche Online-Vernetzung gelingen soll, dann dürfen keine Zugangsbarrieren aufgebaut werden. Hätte zum Beginn des Internet der Gigant Microsoft die Standards gesetzt. Das Internet wäre nie in Gang gekommen. Stattdessen hat die Rivalität der Open-Source-Linuxer mit den Software-Monopolisten dem Internet offene Standards beschert. Nach dem Motto: Freier Zugang zu freiem Wissen.

Freie Software für freie Bauern wird es nicht geben

Stattdessen vielleicht einen offenen Wettbewerb, der den Landwirten indes sogar Recht sein könnte.  Denn schließlich sind andere Wettbewerber auch schon in Sicht. Aber die Kehrseite könnte auch sein, dass im Endeffekt wieder nichts so recht zusammenpasst.

Die meisten Landwirte sagen mir unumwunden, dass sie 365Farmnet interessant finden, aber den Nutzen noch nicht ganz nachvollziehen können. Es überwiegt der Einruck, daß die Industrie bzw. die „Partner“ mehr Nutzen daraus ziehen als der Landwirt, der dafür bezahlen soll.

Preiskalkulator

Auf einer extra Seite kann sich indes jeder Landwirt mit einen Online-Preiskalkulator selbst konfigurieren, was einem die Dienste von 365farmnet monatlich kosten würde. Man kann 30 Tage kostenlos testen. Dann muss man sich entscheiden.

Auf die Plätze – fertig – los

So wird der Run auf das System wohl nicht schlagartig einsetzen. Der Feind des Besseren ist ja bekanntlich das Gute. Viele Landwirte werden nicht gleich alles, was sie für Gut befunden im Einsatz haben, über Bord werfen. Wer sich jahrelang in die Feinheiten einer Ackerschlagkartei oder eines Herdenmanagements eingearbeitet hat, dem graust der Umstieg wahrscheinlich mehr als das mobile Fünklein am Himmel. Zumal die eingesessenen Platzhirsche ja auch mobile Strategien an den Start bringen.

Und mit einer einfachen und kostenlosen Whatsapp-Betriebsgruppe ist auch im Handumdrehen ein gutteil Organisation und Echtzeitdokumentation für den Betrieb geschafft.

Spannend wird es allemal. Zumal 365Farmnet ja bereits wieder einen schillernden Messeauftritt auf der kommenden Eurotier angekündigt hat.

Ob nun 365Farmnet das Zeug hat die vernetzende Bauerncloud zu stemmen?

Prognosen sind schwierig – vor allem für die Zukunft!

orakelte schelmenhaft schon Karl Valentin. Ich finde es auf jedenfall für jeden NetzLandwirt lohnend sich mal mit der Bauerncloud zu beschäftigen.

In dem Sinne Schaff Dir Dein Netz

Alois

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2 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hallo Herr Wohlfahrt,

    es freut mich, dass Sie 365FarmNet so aufmerksam und interessiert verfolgen.
    Wir sind tatsächlich in allen Bereichen für Partner offen. Zu dem bisher verfügbaren KWS Maissortenberater wird in Kürze ein Berater-Tool von AGRAVIS hinzukommen. Auch im Bereich der Streuereinstellung sind wir mit den Partnern AMAZONE und RAUCH bereits herstellerübergreifend unterwegs und arbeiten an der Implementierung der Funktionen.

    Hinter der Weiterentwicklung von 365FarmNet steht immer die Idee, dem Landwirt durch die Vernetzung Zeit zu sparen und ihm seine Arbeit zu vereinfachen.

    Bei der EuroTier werden wir vier neue Partner bekannt geben. Ich freue mich, wenn Sie Zeit finden, bei uns vorbeizuschauen! Sie finden uns in Halle 26 an Stand E30.

    Herzliche Grüße
    Klaus-Herbert Rolf
    365FarmNet GmbH

    1. Hallo Herr Rolf,

      danke für Ihren Kommentar.

      Grundsätzlich halte ich eine „Bauerncloud“ für sehr sinnvoll.
      Weil Mobilität einfach zum Landwirt passt.

      Mich würde es auch sehr freuen, wenn eine offene Plattform mit offenen Standards entstehen könnte.
      Eine derartige Vernetzung würde der Landwirtschaft und den vor- und nachgelagerten Bereichen sehr helfen.
      Von Wettberwerbsvorteilen bis hin zur Vertrauensgewinnung gegenüber den Verbrauchern.

      Ich bin sehr auf Ihren Messeauftritt auf der Eurotier gespannt.
      Selbstverständlich werde ich vorbei schauen.

      Herzliche Grüße aus dem Allgäu
      AW

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