Wehe wenn sie losgelassen

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Wenn das eifersüchtige Mariechen sicher weiß, daß ihr Mann mit seinen Kumpels in der Dorfkneipe am Saufen ist, dann ist die Welt für sie in Ordnung.

Doch geht der Angebetete mit seinen Kumpels in die unbekannte Stadt, dann kommen dem Mariechen allerlei Befürchtungen.

Angst vor dem Kontrollverlust

So ähnlich geht es wohl den Bauernverbänden und auch anderen Landwirts-Organisationen, wenn sich die Bauern mit Ihren Kollegen zum netten Plausch im Internet treffen.

Daß die Bauern „untreu“ werden wenn sie das Internet und die Social-Media-Vernetzung nutzen ist eine Befürchtung der eifersüchtigen Anführer. Die Angst vor dem Kontrollverlust über die Schäfchen ist groß.

Das ist nicht einfach eine Behauptung von mir, sondern fusst auf detaillierten Rückmeldungen meiner Leser, genauso wie auch meine Erfahrungen im Vertrieb. Man möchte schon gerne den Landwirt per Smartphone immer und überall informieren und damit auch führen. Aber bitte nur exklusiv!

Helfen statt verteufeln

Dabei wäre gerade die Unterstützung durch die Verbände für beide Seiten ein sehr lohnender Weg.

Es ist in der Tat für den einzelnen Landwirt nicht leicht den Einstieg in die Social Media Welt zu finden. Bei der Internet-Nutzung für die Produktion bekommt der Landwirt von Beratung, Verbänden, Lehranstalten und Industrie jede Menge Unterstützung. Aber bei Social Media schweigt das Umfeld der Landwirte. Wohl auch deshalb, weil dort selbst solches Know-How wenig vorhanden ist.

Also wird mehrheitlich von den Verbänden bewusst ein Bogen um das Thema gemacht.

Und so bleibt motivierten Landwirten denn auch nichts anderes übrig, als selbst loszulaufen.

Ja, Sie tun es. Immer mehr!

Jüngstes Beispiel: Frag-den-Landwirt

Zuerst geheime Facebook- und Google Plus Gruppen, dann Usertreffen und Ende September stellen die Initiatoren die Facebook-Seite „Frag-doch-mal-den-Landwirt“ ins Netz. Oder besser gesagt 2 Seiten. Eine (unsichtbare, interne) Facebook-Gruppe, wo sich die Landwirte sammeln, diskutieren und strukturieren um auf der offiziellen Seite öffentlich Rede und Antwort zu stehen. Die Postings werden automatisch von Facebook auf die Internet-Seite www.fragdenlandwirt.de gespiegelt. Dort können auch Nicht-Facebooker fragen stellen und mitmachen.

Bauern – Die tun was!

OK, klingt abgekupfert, aber passt. Es scheint wirklich das arg gebeutelte Bedürfnis der Landwirte nach Anerkennung zu sein, das sie antreibt.  Jenseits von Bauer-sucht-Frau-Gesülze und der jahrzehnte alten Verbandsjammerei.

Darum geht auch der Social Media Trend nicht an den Landwirten vorbei. Sie wollen dabei sein!

Nach 3 Tagen 4000 Likes

Ich denke, dass diese Motivation sehr dazu taugt Landwirte und das Umfeld der Landwirtschaft in der Netzwelt voranzubringen.

Sicher, die Langfristigkeit zählt und nicht der glamouröse Start. Die Landwirte werden sicher auch Fehler machen, Rückschläge erleben.

Hinfallen ist kein Schande – nur liegen bleiben

Aber sie werden dabei lernen. Ich sehe großes Potential in dieser Initiative.

Mal sehen, was die eifersüchtigen Mariechens dazu sagen werden?

In diesem Sinne Schafft Euch Euer Netz

Alois

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2 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hallo Alois,

    in sozialen Medien finden vorrangig Menschen zusammen und kommunizieren miteinander. Unternehmens-/Verbandsseiten haben meist das Problem, dass ihnen eine „persönliche Note“ fehlt und sie meist als werbliches Proklamationsmedium ohne Rückkanal verstanden werden. Immer noch wird eine Pressemitteilung als das Kommunikationsinstrument Nr. 1 angesehen.

    Der Zeitaufwand für Facebook & Co. und die schwierige Messbarkeit des Erfolgs hemmt auch das Engagement. Allerdings engagieren sich Mitarbeiter von Verbänden und Organisationen ja auch privat in sozialen Medien und können Landwirte dabei unterstützen.

    Wie sollte denn ein optimales Engagement eines Verbands/ einer Organisation in Social Media aussehen?

    Besten Gruß
    Rainer Winter
    DLG e.V.

    1. Hallo Rainer,
      gute Frage! Das könnte ein eigener Beitrag werden, weil die Sache natürlich vielschichtig ist.

      Aber, wie uns schon die Initiative Frag-den-Landwirt zeigt, fühlen sich innovative und vorwärtsorientierte Landwirte von den Verbänden abgehängt. Während die Industrie beispielsweise mit 365farmnet gezielt Entwicklungen anstösst, sind bei Verbänden nicht einmal einfache, Internet-basierte Mitgliederbereiche ein Thema. So, wie man das Skifahren halt nur auf der Piste lernt, so kann man Social-Media Kompetenzen nur erwerben, wenn man mitmacht und sich darauf einlässt.

      Ja, und Du hast Recht, es gibt viele Mitarbeiter und auch ehrenamtliche Vertreter, die da schon engagiert rangehen. Doch diese kriegen kaum ein Mandat, auch mal ihre Ideen in die Verbandsarbeit einzubringen. Im Gegenteil, z.B. jüngste personelle Entwicklungen beim DBV zeigen, dass hier bewusst sogar gegengesteuert wird. Und das ist die im Beitrag thematisierte Angst vor dem Machtverlust. Ein dominanter Anführer (Politiker) wägt immer ab, „was ist gut für mich?“ Oder „Was ist schlecht für mich?“ Anstatt zu Fragen, „was ist gut für die Sache oder den Verband?“

      Und das Obmänner/-frauen basierte Gefüge der Verbände ist gegen social-Media Tools anfällig. Oder, ganz konkret bei Genossenschaften, die eine wirtschaftliche Tätigkeit ausüben, ist es die Angst, dass die Bauern direkt kaufen oder verkaufen. Im Prinzip diesselbe Angst. Das kratzt an den Fundamenten.

      Doch zurück zur Deiner Frage: Was können die Verbände idealerweise tun:
      1) Den Medienwandel als Chance akzeptieren.
      2) Den innovativen Kräften in Ihren Reihen Raum und auch finanzielle Möglichkeiten geben.
      3) Den Mitgliedern aktiv Angebote machen. Von Bildungsangeboten bis hin zur aktiven Gruppenbildung.
      4) Selbst in den Social Media Plattformen aktiv werden um öffentliche Kompetenz zu erfahren und auch selbst zu erwerben.

      Ich bin überzeugt, daß die Verbände dann sogar viel gewinnen würden.

      Herzliche Grüße aus dem Allgäu
      Alois

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