Vernetzt und doch allein

Soziale Vernetzung führt ganz natürlich zur Bildung von gleichgesinnten Kreisen. Das ist eine gute Sache, nach dem Motto „Gemeinsam sind wir stark“. Doch es gibt auch eine Gefahr dabei: Zu sehr unter sich zu bleiben.

Unbestreitbar erkennen immer mehr Landwirte und landw. Organisationen die Chancen der Internet-Vernetzung und der sozialen Medien. Das Lieblingsmedium der Landwirte scheint Facebook zu sein, wo viele Verbände Seiten erstellen, sich Gruppen formieren und fleißig Freunde gesucht werden. Zahlreiche Beiträge zu landwirtschaftlichen Themen werden geteilt, gelikt und kommentiert. Soweit so gut.

Umfassende Vernetzung

Nach der Facebook-Logik müsste heute jeder Landwirt 280 persönliche Freunde haben, wenn jeder Bürger in Deutschland noch einen Landwirt persönlich kennen soll. Aber 280 ausserlandwirtschaftliche Freunde! Wenn dies nämlich so wäre, dann würde nicht nur jeder Bürger einen persönlichen Bezug zur Landwirtschaft haben, sondern auch jeder Landwirt hätte einen persönlichen Bezug zu den Alltagsansichten von „Otto Normalverbraucher“.

Aber mit der sozialen Gruppenbildung in den Netzen wird der Trend der Abschottung eigentlich genauso fortgesetzt wie bei den landwirtschaftlichen Medien. Dort sind die Bauernblattleser auch mit ihren Ansichten und Themen weitgehend unter sich. Es geschieht zuwenig Berührung und Verständnis mit den Themen der Gesellschaft.

Der Philosoph Christian Dürnberger reist derzeit mit einem sehr interessanten Vortrag durch die Republik: Was erwartet die Gesellschaft von der Landwirtschaft? Darin konfrontiert er die Bauern damit, dass mittlerweile der Verbraucher den Umwelt- und Tierschutz wertvoller einschätzt als die Nahrungsmittelsicherheit. Derweil erwarteten die Mehrzahl der Landwirte immer noch die größte Anerkennung (auch die preisliche Anerkennung), weil sie doch das Volk satt machen. Dafür kämpfen sie auch, inzwischen gut vernetzt, in den sozialen Medien. Gemeinsamer „Kampf“ motiviert und die gegenseitige Bestätigung tut auch gut. Doch man kennt somit nur seine eigene Welt und trifft vielleicht sogar weniger gute Entscheidungen in Anbetracht mangelnder Informationen.

Perspektive wechseln

Verschiedene Meinungen zu kennen, vor allem auch differenzierte oder kritische Stimmen sich anzuhören zahlt sich langfristig aus. Sagen zumindest die Business-Experten. Beim Wetterbericht verlässt sich doch auch kein Landwirt nur auf einen Wetterdienst. Also ist da schon etwas dran. Vernetzung an sich ist ja durchaus etwas Praktisches, indem gezielt Kontakte geknüpft werden, die man für interessant und nützlich hält. Das ist in allen Bereichen sinnvoll, besonders natürlich im wirtschaftlichen und im politischen Umfeld. Nicht zuletzt aber stimulieren persönliche Vorbilder und kritische Geister die eigene Kompetenz erheblich.

Du bist der Durchschnitt der 5 Menschen, mit denen Du die meiste Zeit verbringst. Zitat von  Jim Rohn  US-amerikanischer Unternehmer, Autor und Motivationstrainer

Der bequemste Weg ist sicher, diejenigen Menschen um sich zu haben, die einen immer wieder bestätigen und nicht kritisieren. Den berühmten Blick über den Tellerrand wird man so aber womöglich nicht bekommen. Aber genau das ist ja ein herausstechender Vorteil guter Vernetzung. Menschen die einem den Spiegel vorhalten sind manchmal sehr wertvoll. In der gewerblichen Wirtschaft wird das strategische Vernetzen regelmässig in Weiterbildungen angeleitet. Es gehört dort schlichtweg zur Unternehmerphilosophie dazu, dass weit vernetzte Unternehmer erfolgreicher sind. Das darf doch ruhig  ein Ansporn für landwirtschaftliche Unternehmer sein. Sicher gehört zum gezielten Netzwerken auch Überwindung dazu, aber immer auf dieselbe Party zu gehen ist doch auf Dauer langweilig und macht mehr oder weniger einsam.

In diesem Sinne: Schaff Dir ein weites Netz!

Alois

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