Smartphone, Whatsapp und die Familie

Smilies

Ich gebe zu, das iPhone hat mein Leben als Mensch und Landwirt so positiv verändert, daß ich heute nicht mehr darauf verzichten möchte.

Landwirte mögen das Handy eigentlich ganz gern, auch wenn sie manchmal es nicht so recht zugeben. So hatte ich vor 2 Jahren auch ein tolles Outdoor-Handy, mit dem ich so richtig zufrieden war. Da war kein Wunsch nach mehr. Auf das Outdoor-Handy Marke Samsung brauchte ich nicht besonders aufpassen. Es war robust, leicht zu bedienen und machte gute Fotos. Dann wurde mein Mobilfunkvertrag erneuert und ich durfte ein neues Handy wählen.

Das Gute ist sooft der Feind des Besseren.

Und ich wollte wieder so ein  Outdoor-Handy. Doch mein Sohn machte mich drauf aufmerksam, daß ich doch für ganze 11 € Aufzahlung ein Smartphone kriegen könnte.

„Brauche ich nicht“,

war meine instinktive Reaktion,

„mit meinen 50 Jahren fange ich sowas nicht mehr an“.

Doch mein Sohn ließ nicht locker. „Für was?“ fragte ich. „Für Alles!“ Was die knappe Antwort meines Filius. Und dann kam doch noch ein neues Argument.

„Dann kannst du uns alle mit Whatsapp immer erreichen.“

Er meinte mit „wir“, sich und seine beiden Brüder. Doch Whatsapp kannte ich gar nicht. Er zeigte es mir.

„Aha“, sagte ich, „also SMS über Internet.“ „Ja“, sagte mein Sohn, „nur dass die SMS-Whatsapp nichts kostet und du sogar Bilder mitschicken kannst.“

Das Argument was zu sparen, das zog auch bei mir. Ich investierte 11 € Zuzahlung. Zwei Tage später war ich Besitzer eines SAMSUNG Galaxy S mit dem Betriebssystem Android.

Man zeigte mir wie ich die APP Whatsapp installiere konnte und legte los. Und tatsächlich, war es bis dahin etwas zäh von meinen Söhnen irgendwie Rückmeldung zu bekommen, ob sie z.B. auf der Alpe nach den Tieren gesehen haben? Oder ob sie am Wochenende zum Heu machen da sind?

Ich stellte eine Frage, es machte „pling“ und ich hatte eine Antwort.

Das war für mich einfach toll, denn ich sparte mir manche Aufregung, weil ich wieder Antwort bekam.

Einen Vater regt das nun einmal auf, wenn er einem Sohn eine Frage stellt und keine Antwort erhält. Die eigene Emotion deuted diese Nicht-Antwort als respektlos. Und meist verlief das dann folgende Nachtelefonieren emotional aufgeregt, was mich in meiner „Respektlos-Annahme“ wieder bestätigte.

Und nun schrieb ich eine Whatsapp und ich bekam und bekomme auch heute noch immer sofort oder eine baldige Antwort.

Mittlerweile habe ich ein iPhone, weil das einfach viel besser zu bedienen ist (für so einen Oldie wie für mich). Alle Familienmitglieder haben inzwischen Smartphones und alle haben wir Whatsapp. Wir haben sogar eine Whatsapp-Familien-Liste. Ich schicke eine Nachricht in die Liste, z.B. „Essen kommen“, und siehe da, sie kommen, oder es kommt eine Antwort, dass es grad nicht passt.

Familie ist gemeinsame Kommunikation miteinander.

Mit meiner Bereitschaft den Kommunikationskanal Whatsapp zu benutzen, bin ich auch auf meine Kinder und auf deren Situation eingegangen. Hätte ich das nicht gemacht, hätte ich mich selbst ausgesperrt. Das wäre nun sicher auch kein Beinbruch gewesen, aber mir ist heute bewusst, dass meine Familie dadurch ein Stück Gemeinsamkeit gewonnen hat.

Ich schreibe das hier ganz bewusst so familiär und emotional, weil ich immer wieder von Landwirten, Bäuerinnen und andern höre, wie sie die „handysüchtigen Kinder“ harsch kritisieren. Whatsapp am Küchentisch untereinander ist auch in meinen Augen ein Frevel und das machen wir auch nicht. Da reden wir ganz selbstverständlich auch lieber miteinander. Aber wir dürfen einfach das Positive daran nicht übersehen.

Seit wenigen Wochen haben wir, die ganze Familie, auch noch einen gemeinsamen Kalender auf dem Smartphone, einen Familienkalender. Dort senden wir uns gegenseitig unsere Einladungen zu. Diesmal aber per EMail und nicht per Whatsapp. Wieder wird es von allen Familienmitgliedern sofort angemommen. Und mit einem Mausklick schaue ich auf den gemeinsamen Kalender der Familie.

Für uns Bauern ist die Familie doch so wichtig.

Der bäuerliche Familienbetrieb ist doch das Zukunftsmodell. Das sagen zumindest viele in Politik und Gesellschaft. Die Kommunikation innerhalb der Familie hat für mich einen ganz hohen Stellenwert. Whatsapp, Smart- und iPhone tun in dieser Beziehung meiner Familie gut.

Alois

 

PS: Interessant wäre für mich, welche Erfahrungen meine Leser zu dem Thema gemacht haben? Schreibt mir doch gerne Kommentare oder sendet mir eine Mail dazu alois.wohlfahrt@netzlandwirt.de

Smartphone, Whatsapp und die Familie

Anstatt auf Smartphone, Whatsapp und den Handykonsum der Kinder zu schimpfen, empfiehlt es sich eher, sich mit einzuklinken. Das eröffnet meist einen neuen Zugang zu der Welt der Kindern. Und selbst kann man das auch bald nutzen.

9 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hallo zusammen,

    ich kann aus meiner Erfahrung nur sagen: Ja, Whatsapp, Smartphones… sind wohl die Kommunikationsmittel der Gegenwart! Mein 10 jähriger Sohn ist inzwischen in mindestens vier Gruppen bei Whatsapp vertreten… Es gibt eine Gruppe seiner Schulklasse, eine Gruppe der FC Bayernfans, eine für seine eigene Fußballmannschaft und eine für seine engsten Freunde. Eine kurzer Terminwunsch zum gemeinsamen Bolzen und 15 Minuten später stehen sie auf dem Bolzplatz und kicken miteinander. Aber… da gibt`s dann auch mal nen Anruf von einem Papa einer Schulkameradin, die sich belästigt fühlt, wenn der Sohnemann die Saxophonprobe heimlich aufzeichnet und der ganzen Gruppe ins Netz stellt… Deswegen, bei allen Vorteilen, die diese Kommunikation mit sich bringt, gewisse Verhaltensregeln sind nötig und ich glaube, viele Menschen schreckt genau diese „Offenheit“ noch ab. Was passiert mit meinen Anliegen, wer kann sie lesen, ist das überhaupt steuerbar?

    Das sind meine Erfahrungen…

    1. Hallo Herr Häusinger,
      wie im normalen Leben kommt alles auf die Dosis an. Wenn wir es zulassen, dass Whatsapp und co das persönliche Gespräch ersetzen oder zum Mobbinginstrument werden, dann ist es normal sich zu wehren. Aber es von vorne herein abzulehnen, ohne es zu kennen oder die Vorteile zuzulassen, ist auch kein guter Weg. Übrigens hat mir gestern ein Bigasfachberater berichtet, wie wichtig für ihn inzwischen Whatsapp geworden sei. Über Whatsapp erhält er impulsive „Hilferufe“ seiner Kunden, wenn es Probleme gibt. Per EMail komme sowas nicht. Scheinbar ist Whatsapp emotional näher an den Menschen dran.

  2. Lieber Alois, das liest sich super und bringt auch für mich ein Thema sehr gut & persönlich rüber: Generationenkommunikation 2.0 🙂 Mach ich mit meinen Eltern auch & manchmal sind es sogar die Oldies, die vom Posten gar nicht genug bekommen können 😉 obwohl es auch bei ihnen am Anfang hiess: „Smartphone?! Wozu?!“ Ich finds super, sie auch – alle happy!

    Beste Grüsse aus Passau/Wien
    Susanne

    1. Hallo Susanne,
      ein nettes Wort: Generationsnkommunikation 2.0!
      Aber so ist es.
      Wie die Generationen untereinander kommunizieren ist eigentlich egal, Hauptsache man tut es.

      Ja, und auch die Oldies sind im Netz unterwegs. Das unterschätzt man gemeinhin etwas.
      Aber dafür gibt es ja die Blogger 🙂

      Herzliche Grüße aus dem Allgäu

      Alois

  3. Es gibt und vor allem es gab immer Vor- und Nachteile bei „NeuenDingen“.
    Sich dem zu verschließen halte ich für destruktiv. Wir sprechen und diskutieren heute viel mehr mit unseren Kindern als dies noch unsere Eltern getan haben. Welche Werte wir dabei vermitteln, liegt doch an uns und unserem Handeln.
    Für mich überwiegen klar die Vorteile!

    1. Hallo Kathrin,
      ich habe grad Deine Seite hofseeger.de angeschaut.
      Ich finde es gut, wenn Landwirte im Netz Flagge zeigen.

      Alois

  4. Whats Äpp? Neumodischer Kram. Fang ich doch mit 61 nicht mehr an…Das ist was für die jungen Leute. Ne, ne ich schreibe lieber einen Brief, auch wenn jetzt das Porto wieder teurer geworden ist. Sauerei!!!
    Bauer Willi

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