Mut zur Grenzerfahrung

Grenzpunkt2

Bio-Landwirtschaft und konventionelle Landwirtschaft liegen in der Öffentlichkeit vielfach im Dauerclinch und erzeugen damit eigentlich nur Eines:

Verlierer

Ich selbst bewirtschafte seit bald 20 Jahren meinen Hof nach ökologischen Richtlinien des Anbauverbandes Naturland. Ich tue das aber aus persönlicher Überzeugung und nicht aus ideologischer Gesinnung heraus. Deshalb finde ich das gar nicht lustig, daß ständig zwischen bio- und konventioneller Landwirtschaft Zwiespalt gesät wird.

Miteinander gewinnen

Ich meine sogar, dass öko- und konventionell wirtschaftende Bauern sehr viel von einander lernen können, in Anbau- und Produktionsmethoden, wie auch im Umgang mit der Öffentlichkeit und den Verbrauchern.

Mein Hof

Jeder Bauer hat das Ziel seinen Hof zu erhalten und ihn in die Zukunft zu bringen, um ihn seinen Nachkommen zu übergeben. Dazu braucht es aber sichere Erlöse aus unserer Landbewirtschaftung, die der Verbraucher und die Gesellschaft im weitestgehenden Sinne bezahlen und honorieren muss.

Alles Dreck

Doch immer größer werdende Teile der „essenden Kundschaft“ wenden sich angeekelt von der Landwirtschaft ab weil sie überall nur noch negative Botschaften wahrnehmen.

Mein Schwein ist glücklich aber alle anderen werden mit Antibiotika vollgepumpt.

Solche pauschalen Sätze, die auch noch falsch sind, haben sich mittlerweile in den Medien etabliert, wie z.B. Kinderkanal von ARD und ZDF

Umgekehrt tauchen auch immer wieder Bio-Skandale auf wie Dioxin in Bio-Eiern oder verseuchtes Bio-Futter, wo auch nur die Botschaft „verseucht“ beim unbedarften Konsument übrig bleibt.

Die Geister die ich rief

So wenden sich immer mehr Menschen angeekelt von der Landwirtschaft ab. Die Veganerbewegung ist kein Zufall, sondern eine Folge dieser absoluten Abkehr von der Landwirtschaft. Und die vegane Revolution braucht auch keine Bio-Milch und keine Bio-Bauern mehr.

Bio versus künstlich

Die konventionelle oder moderne oder industrielle Landwirtschaft hat den Begriff Bio (= Biologie) komplett hergeschenkt. Der unbedarfte Bürger, der keine Verbindung mehr zur Landwirtschaft hat, der braucht keinen Beweis dafür,  dass alles was nicht BIO ist, eben KÜNSTLICH sein muss!

Doch dabei wächst jedes konventionelle Korn genauso natürlich oder biologisch wie die Öko-Variante. Oder das konventionelle Schwein ist ein absolutes biologisches Lebewesen. Nur die eingesetzten, zugekauften Hilfsstoffe und Techniken zur Unterstützung dieser natürlichen Biologie machen den Unterschied.

Oh Heiliger Monsanto

Diese industriellen Hilfsmittel, der Dünger, die Pflanzenschutzmittel, die Futtermittel usw. sind mitunter die Garanten für die enorme Produktivität. Entsprechend empfindlich ist der Nerv, wenn Akzeptanz und Gesetzgebung hier reglementieren. Die Landwirte verteidigen da nicht selten die industriellen Konzerne und werden so leicht als Vasallen der Agrarindustrie in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Der engagierte Landwirt kämpft oft in hochwissenschaftlichem Terrein aussichtslos wie in einem Schachspiel, wo der Bauer von den mächtigeren Figuren gedeckt oder eben auch mal geopfert wird.

Oh Heilige Argrarwende

Als Ökobauer ist man aber auch nicht besser dran, denn in der Grünenszene wird ebenfalls Schach gespielt um Macht- und Energie- und Agrarwenden. Ideologisch genehme Landwirte werden da vor allem zu Wahlkampfzeiten und in den Medien als Vorzeigebauern gefeiert. Doch gleichzeitig werden genau wie in der konventionellen Schiene die Massenmärkte anvisiert. Es setzt diesselbe Preisdruckspirale ein, die bäuerliche Existenzängste um den Hof in Gang setzen. Der „Alles-Bio-Gleichmacherei“  der letzten Agrarwende opferten die Bio-Ideologen die hart erarbeiteten Marktnischen ihrer ältesten Bio-Pioniere auf dem Altar der global agierenden Discounter.

Verbindendes entdecken

Es muss ja nicht gleich Friede, Freude Eierkuchen sein. Aber es hilft ungemein, wenn man mal mit gegenseitigem Respekt anfängt. Da ist ganz viel Wissen, was die Öko-Bauern (noch) haben, weil sie nicht einfach immer alles mit industriellen Hilfsmitteln erledigen können oder wollen. Und da ist auch ganz viel Professionelles was die Öko-Bauern von den Konventionellen Landwirte mitnehmen könnten.

Respekt statt Bosheiten

Ich weiß, wie viel ich verlange, wenn ich dazu aufrufe daß die Landwirte das Verbindende zwischen Öko und Konventionell suchen mögen. Mancher wird das als Utopie abtun. Aber das Leben ist niemals nur schwarz-weiß. Ich bin beruflich und als Blogger sehr viel unter konventionellen Kollegen. Ich lerne sehr viel dabei, will Wissen und keine Halbwahrheiten. Darum überschreite ich bewusst Grenzen und rufe hier ganz real zu Grenzerfahrungen auf.

Glauben heisst nichts wissen

Wieviel weiß ich denn als Öko-Bauer wie es bei den professionellen konventionellen Landwirten zugeht? Oder wieviel weiss der Hightech-Ackerprofi vom Bio-Betrieb? Alle glauben etwas zu wissen und bedienen sich auch nur der Medien. Genauso wie der vielgescholtene Verbraucher. Bauernblätter sind übrigens auch Medien und ebenso einseitig.

Tatort

Sogar der Tatort-Krimi transportiert inzwischen emotionale landwirtschaftliche Glaubensweisheiten, mit den auch kein Bio-Bauer wirklich zufrieden sein kann. Ich bin überzeugt, wir Bauern finden nur Lösungen miteinander. Wir können auch solange warten bis der Leidensdruck ganz hoch wird. Das Thema ist heiss, denn diese glaubenden Massen sind die „vielleicht Esser“ unserer Produkte und ganz bestimmt eine Macht bei der Bestimmung der Rahmenbedingungen durch die Wähler.

Ehrliche und authentische Landwirte braucht das Land

Wenn inzwischen 3% der Bevölkerung als Veganer für die Landwirtschaft verloren sind, dann ist es doch Wert sich um die restlichen 97% zu kümmern. Und das fachliche Interesse von suchenden Verbraucher ist sehr hoch. Mit bunten Image-Kampagnen erreichen wir da herzlich wenig oder sogar das Gegenteil. Aber ehrliche und authentische Landwirte haben die Chance, auch über sozialen Netzwerke, verlorenes Vertrauen zu der „abwandernden, essenden Kundschaft“ wieder aufzubauen.

Anfangen

Geht auf einander zu, tauscht Euch aus, lernt voneinander. Die Alpha-Anführer Eurer Verbände werden es nicht tun. Die halten sich für gute Schachspieler.

In diesem Sinne: Schaff Dir Dein Netz

Alois

24 Kommentare, sei der nächste!

  1. Lieber Alois, ich geb dir Recht mit deiner Meinung: Wir Bauern, egal ob konventionell oder Bio, wir müssen zusammenhalten. Tagtäglich hören viele Kollegen von uns auf, machen ihre Stalltore dicht, oder verkaufen ihr Land im dümmsten Fall an Investoren oder Personen, die nur ihr Geld anlegen wollen. Darin, so meine ich, besteht eine große Gefahr. Wir aktiven Landwirte können uns einen teuren Grunderwerb bei den aktuellen Preisen sowohl im Grundstücksmarkt wie auch durch ruinöse Erzeugerpreise einfach nicht mehr leisten. Und auf Grund und Boden sind wir nun mal angewiesen.
    Eines tröstet mich aber: auch die Veganer, die ich übrigens auch schätze und akzeptiere, bekommen ihr veganes Essen vom Acker. Ohne uns geht es also nicht.
    Übrigens Alois: ich bin auch seit 1999 Bio Bauer und freue mich, diese Entscheidung getroffen zu haben.
    Wenn du magst: ich habe vor Kurzem einen Blogbeitrag zu meinem Werdegang zum Bio Bauern geschrieben. Vielleicht passt der Artikel zum Netzlandwirt, dann melde dich einfach.

    1. Hallo Franz,
      Dein Werdegang zum Bio-Bauer interessiert mich sehr. Ich melde mich per Mail bei Dir.

      Aber vielleicht noch ein paar Worte zu den Veganern. Auch ich respektiere Veganer. Ein Problem wird es dann, wenn die vegane Revolution ins Spiel kommt. Radikalisierende Ansichten, wie alle Tierhalter als Tierquäler abzutun, finde ich schon gar nicht mehr tolerant. So sind aber nur ganz wenige.

      Unsere Aufgabe ist es aber auch aktiv den Dialog zu suchen. Darum finde ich ja http://www.fragdenlandwirt.de so gut. Im Moment engagieren sich da nicht viele Bio-Bauern. Irgendwie habe ich das Gefühl da sind Berührungsängste zu den Konventionellen.

      Und eine weitere, sehr große Aufgabe ist es, die Märkte aktiv anzugehen. Ruinöse Erzeugerpreise kommen vor allem auch deshalb zustande, weil wir Landwirte meist nur als Rohstofferzeuger im Markt agieren. Der Handel und die Industrie setzen im Lebensmittelmarkt die Marken. Die eigentlich Marke aber, die das Vertrauen herstellen kann, ist der Landwirt selbst. Bio mit Gesicht http://www.bio-mit-gesicht.de/ ist so eine Vorlage von der auch die Konventionellen lernen können.

      Der Weg ist, raus aus der Anonymität! Da tun sich leider noch viele Landwirte schwer.

      Alois

      1. hallo,das ist alles richtig, aber die wenigsten Landwite haben Bock auf die unendlichen Diskussionen.
        Viele wollen doch gar nicht wissen wie es ist,da wird einfach pauschal geurteilt!

        1. Hallo Helga,

          das ist ein guter Einwand. Lange Diskussionen mögen die Bauern nicht und bringen wohl auch nichts.
          Wenn der Wille oder der Impuls nicht da ist, dann geht gar nichts. Dann bleibt halt jeder in seiner Welt und schimpft auf die andere.

          Aber es gibt auch die Neugierde, wo man doch auch mal „gucken“ kann, wie und was denn der andere so macht?
          Das ist schon mal gut. Wichtig dabei ist, nicht gleich zu werten, sondern das Erfahrene ein bisschen sitzen und wirken lassen.
          Wer soweit kommt, wird erkennen, daß immer etwas Positives oder verwertbares hängen bleibt, wenn man ein wenig die eingefahrenen Grenzen überquert.

          Herzliche Grüße aus dem Allgäu
          Alois

    2. Andreas Fendt schreibt kluge Sachen, die auch der laienhaften Leser gut versteht. Bin nur eine „vegane“ Kleinrentnerin in der Stadt und interessiere mich für gesunde Ernährung und tiergerechte gute Haltung von Nutzvieh. Damit die Verbraucher den Billigpreis-Irrsinn, der die Bauern in den Ruin treibt, nicht mitmachen, kläre ich über einige Hintergründe auf mit meinem „Appell über Tierquälerei in der Massentierhaltung“ und beziehe mich außerdem auf einige Umweltorganisationen. Veganerin und Tierschützerin bin ich geworden, als ich vor 45 Jahren einen Artikel las über Tiertransporte und später dann noch erfuhr, wie es den Milchkühen in der Massentierhaltung ergeht. Deshalb kaufe ich nur noch Eier von freilaufenden Hühnern beim nächsten Bauer. Meiner Meinung nach müssen viel mehr Verbraucher viel besser aufgeklärt werden, um den Irrsinn der Billigpreise von Konzernen nicht mitzumachen, weil es die normalen Bauernbetriebe (und die Tiere und unsere Gesundheit) kaputt macht. Am 16.01.16 ist in Berlin eine große Demo von Verbrauchern und Bauern. Ich finde es sehr wichtig, daß sich die Bauern zusammentun und sich wehren. Sie sollten das Diktat der Konzerne nicht dulden, sondern sich gemeinsam gute Strategien ausdenken zum Erhalt ihrer Höfe und für ein verändertes Verhalten der Verbraucher. Denn die nicht informierten und leider vielfach gleichgültigen Menschen (als große Masse der Verbraucher) macht die Misere ja erst möglich. Also muß diese Masse bewegt werden. Aber wie? In dem Forum von Bauer Willi wird leider unbegründet viel Hetze betrieben, anstatt konstruktive Gedanken zu äußern. Vielleicht könnten Sie dort ein paar fruchtbare Ideen fallen lassen.

  2. Sehr gut formuliert und sehr richtig
    Danke dafür. Wir produzieren konventionell und man muss ehrlich sagen das wir alle voneinander lernen können wenn wir es nur wollen. Medien spiegeln immer nur das Bild wieder was ihnen im umkehrschluss auch Quote bringt und gute oder ehrliche Nachrichten bringen diese Quote nicht

    1. Hallo Herr Wienken,

      es freut mich, wenn Sie das auch so sehen.
      Die Medien können wir nur selten direkt beeinflussen.
      Die Medien suchen Quote, das ist richtig. Die kriegen sie von dem Konsumenten. Und das sind eben mittlerweile überwiegen Nicht-Landwirte.
      Darum ist es so wichtig diese Nicht-Landwirte auch zu verstehen, was die denn wollen?
      Direktvermarkter, die oft auch Öko-Betriebe sind, haben zu Kunden und Kundenwünschen ganz natürlich einen anderen Zugang als reine Rohstoffproduzenten.
      Das ist so ein Punkt wo die Konventionellen sehr viel von den ÖKo-Kollegen lernen können.
      Aber sie haben auch da Recht.
      An erster Stelle kommt der Impuls und der Willen es zu tun.
      Deshalb schreib ich ja solche Artikel. 🙂

      Herzliche Grüße aus dem Allgäu

      AW

  3. Hallo Alois,

    extrem guter Beitrag mit tollen Ansichten. Schön, das auch mal jemand beide Seiten probiert zusammen zu bringen.

    Weiter so.

    Gruß, Henning

    1. Hallo Henning,

      danke für Deinen Zuspruch.
      Ob es genlingt beide Seiten zusammenzubringen?
      Wird vielleicht nicht gleich funktionieren.

      Aber mal näher zusammenzubringen um Landwirtschaft wieder insgesamt in der Gesellschaft aufzuwerten, das tut not.

      In jeder Verkaufsschulung wird einem beigebracht sein Produkt positiv anzupreisen und ja nicht dasselbe Produkt vom Mitbewerber schlecht zu reden. Denn wer das tut, der verkauft gar nichts, weil der Kunde sich dann vom Produkt an sich entfernt.

      Aber das werden wir schon noch lernen.

      Herzliche Grüße aus dem Allgäu

      Alois

  4. Zur Grenzerfahrung gehört aber auch dass man die Meinung andersdenkender respektiert, solange keine persönlichen Beleidigungen ausgesprochen werden. Ich, selbst Bio Vollerwerbslandwirt, bzw. meine Stiftung Lebenshof Ziege-Kuh-Mensch sind auf den von konv. Landwirten gestaltenen FB Seiten sofort nach wenigen Posts, gesperrt blockiert und z.T. der Beleidigung bezichtigt worden. Egal ob sie „Brokser Sauen“, „Stallbesuch.de“, „frag soch mal den Bauern“, oder „Massentierhaltung – aufgedeckt, So…“ heissen und damit sind sie in bester Gesellschaft mit dem bauernverband SH, aber auch Tierrechtlern, wie PETA, Ariwa, Soko Tierschutz die genausowenig mit berechtigter Kritik umgehen können wie vegane Orgas Vebu , VGD usw. Es ist schon merkwürdig, dass ausgerechnet die Bioverbände uns noch nicht gesperrt haben, obwohl wir bei denen am häufigsten und heftigsten kritisieren. Scheinbar sind „Bio´s“ doch insgesamt toleranter und kritikfähiger. Übrigends hielt ich den Tatort für sehr gelungen! Eine ideale Blaupause für den Fall Straathof oder andersrum… Und drittens: Auch Veganer ernähren sich von Landwirten, das wollen sie manchmal nicht hören, aber nun die „vegane Bewegung“ als Feindbild aller Landwirte zu stilisieren, wie es ansatzweise im Blog durchklingt, greift wohl zu kurz. Veganer sind eine kaufkräftige Zielgruppe die nur darauf wartet von schlauen undogmatsichen bioveganen Landwirten der neuen Generation bedient zu werden. Den veganen Trend verschlafen sowohl die konv. Bauern als auch die Bioverbände, nur die Lebensmittelindustrie liefert munter. Vegan bei Kaufland, kein Problem! Vegan im Bio Hofladen, Fehlanzeige!

    1. Hallo Herr Fendt,

      mit meinem Blog und meinen Beiträgen will ich berühren und zum Denken und Handeln anstossen. Die große Resonanz dieses Themas Bio vs. Konventionell, zeigt, dass hier großer Bedarf besteht.

      Und Sie haben Recht, Kommunikation ist besser als „Sperren“. Ich habe das Thema schon mal mit dem mit dem Beitrag „Das Dilemma nicht zu kommunizieren“ angerissen.

      Und dabei komme ich direkt zur Veganerbewegung. Ich mache mir da sehr viele Gedanken. Denn diese Bewegung oder der Trend, der will uns etwas sagen. Es kommt mir fast so vor, als ob die Veganer einen bedingten Hungerstreik machen, um etwas zu ändern oder durchzusetzen. Und die Beweggründe sind nicht nur in der Landwirtschaft zu suchen, sondern auch in der Profitorientierung unserer Gesellschaft. Aber so gewachsenen Systeme lassen sich nicht einfach mit Wunschdenken so leicht ändern. Oder mit Verordnungen (wie Veggy-Day) oder gar mit Gewalt.

      Trotzdem können Bauern da wesentlich mehr tun, als wir uns da selbst zutrauen. Die oben genannten Internet-Seiten sind ein guter Anfang, denn da stehen die Landwirte zu dem was sie tun und wie sie es tun. Das ist der Schritt heraus aus der Anonymität und damit kommt auf vielen Ebenen Kommunikation zustande.

      Und diese Kommunikation zu fördern ist das Ziel meiner Beiträge. Damit zusammenkommt, was auch irgendwie zusammen gehört.

      Herzliche Grüße aus dem Allgäu
      AW

      1. Was Bauern i.d.R. verbindet ist „der gemeinsame Feind“. Ich habe selten soviel Solidarität unter Bauern erlebt, wie beim Schimpfen über Biogasler (na ja ausser denen, die es selber machen oder für sie arbeiten, wie Lohnunternehmer)

        Oder auch beliebt „Grüne Landwirtschaftsminister… wobei ich da als Biobauer meist auf Seite der Politik stehe.

        Ähnlich ist es auch bei Veganern. Ich kenne keinen veganen Bauern! Veganer sind jung, gebildet, urban, revolutionär im denken, bisweilen auch im Handeln (urban farming, csa) Also das Gegenteil konventtioneller oder konservativer Bauern. Sie wollen an gewachsenen Strukturen festhalten, wie der Tierhaltung und sie auch schützen (konservieren) meist erfolglos, weil sie den Kampf gegen Strukturwandel, LEH, TTIP etc. immer verlieren werden.

        Um Chancen zu ergreifen, sollte man seine Dogmen verlassen und erstmal dem „Neuen“ zuhören. Auf meinen Vorträgen zu einem ganz neuen landwirtschaftlichen Umgang mit sog. „Nutztieren“ komme ich ins Gespräch auch mit Veganern. Da kann ich auch Feindbilder Marke http://www.biowahrheit.de mal auflösen, geraderücken.

        Ein erkanntes Problem, die wenigsten Bauern melden sich zu Wort. Selbst die sich immer wieder bei Facebook Diskussionen zu Wort melden, bewirtschaften oft gar keinen Hof. Sie sind Agrarjournalisten, Verbandsvertreter u.a. „Vögel“.

        Wenn man liest wie vehement und bisweilen dumm, längst (mit Studien) widerlegte Dogmen da aufs Heftigste (mit Blocken derer, die immer wieder auf die Fehler hinweisen) erhalten werden, kann man nur verzweifeln.

        Zwei meiner beliebten Themen: Machbarkeit des bioveganen Landbaus mit nachhaltiger Humusbilanz. Immer wieder wird behauptet, ohne Tierhaltung wäre der Anbau zeitlich begrenzt.

        Zweitens: die muttergebundene Kälberaufzucht. Zurecht werfen Tierschützer/Veganer das Trennen der Neugeborenen von deren Müttern den Bauern vor. Anstatt anzuerkennen, dass es anders geht und Höfe es auch erfolgreich machen, wird jeder Kommentar zu diesem Thema gelöscht, blockiert, vermieden.

        Irgendwann endet dann auch die Bereitschaft sich mit solchen Bauern auseinanderzusetzen. Sollen sie untergehen, ihren Untergang besiegeln die LEHs TTIPs u.a. andere Strukturen. Veganer sind da allenfalls Beiwerk, ohne dass sie es selbst je bemerken.

        1. Es mag ja sein, dass im Leben die Feinde manchmal beständiger sind als die Freunde. Aber lösungsorientiertes Handeln darf sich nicht an Feindbildern orientieren. Ebenso ist es mir nicht egal, ob die Bauern untergehen oder nicht. Allerdings ist jeder auch seines Glückes Schmied.

          Diese Eigenverantwortung für sich und seinen Hof ist das ganz zentrale Element bäuerlichen Denkens. Seit der Mensch seßhaft geworden ist und Besitz hat, gibt es diese bäuerliche Denke:

          • – Von dem was ich habe zu leben
          • – Das was ich habe weiterentwickeln
          • – Das was ich habe an meine Nachkommen weitergeben

          Raubbau der natürlichen Ressourcen macht der Bauer aus sich heraus beisielsweis nicht, weil kaputtes Land er nicht an seine Nachkommen weitergeben kann.

          Aber um „nie mehr Hunger“ zu erleiden hat die Industriegesellschaft die industriellen Prinzipien auf die Landwirtschaft übertragen. Wissenschaft und Beratung übernehmen das Weiterentwickeln, nicht der Landwirt. Der Landwirt aber wendet diese Neuerungen an, weil er mehr Ertrag will und mehr Sicherheit für seinen Hof sich erhofft. Er spezialisiert sich z.B. bis hin zum Putenmäster. Dabei gerät aber vielleicht sein an sich schützender Blick auf das Bewahren seiner gesamten Ressourcen ins Hintertreffen. Genauso wie bei Wissenschaft und Beratung. Das sind alles Spezialisten, die an sich beim Spezialwissen Recht haben mögen. Im Gesamtblick aber falsch liegen, weil dadurch die natürlichen Ressourcen kaputt gehen. (Überdüngung, Schadstoffe, Resistenzen etc.)

          Meine Überzeugung ist, dass die Bäuerlichkeit als gesamtheitliche Geisteshaltung viel intelligenter ist, als die Spezialisierung des Agrarbusiness und der Politik.

          Mein Anliegen ist es auch, solche Gesamtzusammenhänge wieder sichtbar zu machen. Denn derzeit finden eigentlich nur noch Grabenkriege statt mit lauter Spezialthemen.

          AW

    2. Sehr geehrter Herr Fendt,
      möglicherweise ist es einfach die Art und Weise, wie man in einer Diskussion auftritt, die dann schließlich dazu führt, dass das Gegenüber nichts mehr hören will. Ich verfolge gerne Ihre Beiträge, muss aber immer wieder feststellen, dass Sie von Ihrer Meinung so überzeugt sind, und alle (auch sachlich korrekten) Argumente der anderen nicht gelten lassen. Da ist es verständlich, dass die andere Seite irgendwann keine Lust mehr hat.
      Besonders aufgefallen ist mir, dass Sie versuchen, immer den letzten Kommentar zu setzen, sprich, Sie wollen immer das letzte Wort. Das mag auch nicht immer hilfreich in einer Diskussionskultur sein. Bitte entschuldigen Sie meine offene Kritik. Aber vielleicht hilft Ihnen dies, empathischer mit Ihren Diskussionspartnern umzugehen. Ihre Ausführungen finde ich immer sehr interessant!

      Friedrich K.

        1. Selbst wenn ich das letzte Wort habe wollte, selbst wenn ich Argumente nicht anerkennen würde. All das kann ein Grund für eine Ermahnung o.ä. sein, nie aber der Grund Beiträge durch löschen zu zensieren oder gar gesperrt zu werden.

          Dieses Vorgehen fällt immer auf die bestreffende Seite zurück und ziegt wie wenig demokratisch sie ist und das ist das eigentlich erschreckende.

          Selbstvertsändlich polarisieren bisweilen meine Beiträge, ich lass mich eben auch nicht einordnen, da ich sowohl Bioverbände als auch sog. Konv. Bauernvereinigungen bzw. Plattformen kritisisiere und zwar immer dann wenn Dinge einseitig dargestellt werden und andere, oft wissenschaftlich belegbare, Methoden ignoriert werden.

          Als Tierschützer bin ich besonders sensibel wenn z.B. einerseits Bioverbände mit (in der Praxis nur rudimentär realisiertem) Tierwohl werben oder Intensivtierhaltung als irgendwie notwenidg oder zwingend dargestellt wird.

          Aber ich muss auf keiner Seite kommentieren, wo meine Kommentare unerwünscht sind (dazu braucht man mich nicht sperren, man kann mir das auch sagen) sind sie es eben auch nicht wert. Wer auf seiner Seite nur einseitige Postitionen haben möchte und Leser, die sich gegenseitig beklatschen, da ist mir dann meine kostbare Zeit auch zu schade.

          Und zuletzt „Gut sein lassen“ kann man nur etwas das auch gut ist.

          Gruss aus dem südlichen Hochschwarzwald
          Andreas Fendt

  5. PS: wenn man sich nicht um seine FB Seite kümmern möchte, sollte man die Kommentarmöglichkeit einfach abschalten. Einzelne Kommentare zu löschen, die gegen keine Netiquette verstossen, nur weil man sie für unpassend (oder doppelt) hält ist eben auch ein „Nichtkommunizieren“

    1. Kommentare und die Diskussionen daraus sind sehr wichtig um das Thema weiterzuentwickeln. Deshalb ist hier die Kommentarfunktion auch angeschaltet und Diskussion erwünscht. Auf meiner Facebook-Netzlandwirt-Seite ebenfalls. Die Nettiquette gilt vorbehaltlos.

  6. Hallo Alois Wohlfarth,
    „…Oder das konventionelle Schwein ist ein absolutes biologisches Lebewesen. Nur die eingesetzten, zugekauften Hilfsstoffe und Techniken zur Unterstützung dieser natürlichen Biologie machen den Unterschied…“
    Ist das die ganze Wahrheit? Was ist mit Hybridschweinen, die rein für die Mast gezüchtet werden und nicht mehr fruchtbar sind? Was ist mit den modernen Mastschweinen, die eine Rippe mehr gezüchtet bekommen haben, damit es zwei Kotletten mehr gibt, deren Rückgrat aber geschwächt ist und die kaum noch laufen können? Durch solche Infos wächst das Unbehagen des Verbrauchers, da er die Hintergründe nicht kennt….

    1. Hallo Herr Willig,
      die Zuchtmethoden setzen die Menschen ein, seit sie Wildtiere zu Hautieren gemacht haben. Da werden gezielt die Tiere nach gewollten Kriterien gepaart und so verstärken sich gewünschten Kriterien. Das ist bei der Hundezucht nicht anders als bei den Schweinen. So sind z.B. Hütehunde entstanden, die einfach genetisch schon Schafe treiben können. Tierzucht bedient sich also natürlicher Mechanismen und es sind für mich natürliche Tiere.
      Der Unterschied bei Öko- oder Konventioneller Tierzucht sind jedoch dir Kriterien. Bei der Kuh beispielsweise zählt bei der Öko-Zucht die gesamte Lebensleistung einer Kuh mehr als die einzelne Laktation. Was ich persönlich auch für sinnvoller halte. Das sind die Sachen, wo man von einander lernen kann. Wichtig ist, dass wir beide Meinungen mal zulassen und nicht gleich von Vorneherein alles ablehnen oder stigmatisieren.

      Herzliche Grüße aus dem Allgäu
      AW

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