Fussball – Facebook – Fans

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Bei meinen Vorträgen in bäuerlichen Kreisen wird sehr häufig kontrovers über die Sinnhaftigkeit der neuen und sozialen Medien diskutiert. Die Vorbehalte sind spürbar groß. Ich habe das Gefühl es wird hier etwas abgelehnt, was man gar nicht kennt. Darum versuche ich mal die Bedeutung im Zusammenhang mit Fußball zu erklären.

Alles schon da

Die sogenannte Informationsgesellschaft ist inzwischen tägliche Realität. Das bedeuted: Informationen sind der wichtige Rohstoff für die Gesellschaft und die Wirtschaft. Die Landwirtschaft erzeugt auch Rohstoffe: Lebensmittel aber keine Informationen dazu. Da diese Informationen wie in einem Vakuum fehlen, füllen andere diese Lücke. Aber halt nach Ihrem Geschmack. Das ist die Lebensmittelindustrie, die „heile Welt“ Marken verkauft und da sind die Kritiker der Landwirtschaft, die mit den modernen Produktionsmethoden den Weltuntergang prophezeien. Um damit Spenden zu sammeln und schließlich die Welt zu retten.

In welcher Liga spielen wir

Die Landfrau oder der Landmann sind da eher passiv. Sie haben eh genug Arbeit, weil sie zahlenmässig ja immer weniger werden und deshalb immer produktiver arbeiten müssen. Darum interessieren sie sich auch eher für High-Tech-Maschinen als für neue und soziale Medien. Weil: das Internetzeugs kostet ja nur Zeit und bringt nichts ein. Und die Verbände denken da ganz ähnlich wenn sie im Bereich der neuen Medien lieber nichts investieren. Es könnte ja eine Fehlinvestition sein! Diese passive Grundhaltung mag ja zum klassischen Landmann passen, der etwas so lange mißtrauisch beäugt, bis er sich sicher ist, dass es funktioniert. Fehlervermeidung nennt man sowas. Aber Fehler vermeiden heisst noch lange nicht Gewinner zu sein. Vergleichbar mit der Fußballmannschaft, die perfekt „zu Null“ spielen möchte und deshalb nie angreift. Diese wird niemals den Titel gewinnen. Sie wird, weil manches „zu Null“ sich nicht halten lässt, öfters verlieren und am Ende eher um den Abstieg spielen.

Social Media Kreisliga

Bei Social Media spielt die Landwirtschaft derzeit wohl so iner einer Art Kreisliga. Es ist symptomatisch, dass bäuerliche Kreise und Verbände noch diskutieren, ob die „Neuen Medien“ zu was taugen oder nicht. Die Kritiker der Landwirtschaft aber die Chancen längst genutzt haben und dadurch eine gewisse Meinungshoheit über die Medien gewonnen haben. Um beim Fußball zu bleiben: es steht gerade 263.323 : 10.330 Follower auf Facebook zwischen Foodwatch Deutschland und dem Deutschen Bauernverband. Greenpeace hat sogar über 2 Mio Fans auf Facebook, die bei jeder Mitteilung von Greenpeace eine persönliche Benachrichtigung bekommen. Das macht dann doch Spaß jede Woche locker ein paar mal zu seinen hörigen Schäfchen zu predigen.

Wer hat die Fan’s?

Facebook hat inzwischen einen gigantischen Stellenwert bei den Nachrichten. Netzökonom Holger Schmidt beziffert den Anteil am News-Sharing von Facebook inzwischen auf 91%. Dabei geht es gar nicht allein um die Nachrichten und die Leser allein, sondern auch um den Journalismus als Solches. Weil Social Media einerseits als Nachrichten-Verteildrehschleuder dient und andererseits auch die Schürfquelle des Journalismus schlechthin geworden ist. Die Journalisten der Mainstrem-Medien lesen wohl selten Bauernblätter. Schon eher gelingt es den vordergründig gemeinnützigen NGO (non-governmental organization) wie Foodwatch, PEta, BUND oder Greenpeace diese Medien über ihre massive Präsenz in den sozialen Netzen zu inspirieren. Und wie beim Fussball hat Greenpeace sogar noch einen Fanshop.

Augsburg

So wie der FC Augsburg als Fußballwinzling einst in der Bundesliga kam und mittlerweile und sich mittlerweile im oberen Viertel der Tabelle festbeist, so muss es auch landwirtschaftlichen Initiativen gelingen aufzusteigen Fans in der Informationsgesellschaft-Liga. Die Wahrnehmung von Bauer Willi in den Mainstream-Medien beweist, dass die Landwirtschaft ebenfalls über Social Media Breschen schlagen kann. Die Gefällt-mir-Lawine vom „Wutbrief Lieber Verbraucher von Bauer Willi“ erregte innerhalb weniger Tage das Interesse der Mainstream-Medien. Und seitdem zeigen sich viele Medien wieder erstaunlich interessiert an moderner Landwirtschaft.

Mittlerweile hat auch die DLG den „Bauer-Willi-Effekt“ in den DLG-Mitteilungen 3/2015 gewürdigt.

Zitat: „Entgegen aller Erwartungen kann es auch Landwirten gelingen, im Internet Wellen zu schlagen. Allerdings sind solche Erfolge nicht planbar.“

Die DLG als große Dame der Agrarwirtschaft staunt also über die Reichweite von Bauerwilli, hegt aber immer noch Zweifel, ob es nicht doch nur ein glücklicher Zufall war?

Fortes fortuna adiuvat

Oder den Mutigen hilft das Glück. Etwas Glück war sicher dabei, aber es war längst nicht alles Zufall, sondern das Ergebnis einer frischen Stragegie von engagierten Leuten. Man nehme:

  1. Legendärer Content (Ausdruck von Markus Cerenak für emotional berührende Inhalte), das schreibt und sagt Bauer Willi!
  2. Eigener Server (nicht Facebook!) um diesen Content jederzeit selbst zu beherrschen, ihn gezielt in die Netze zu streuen, incl. der Leser- Nutzerkommunikation.
  3. Verteildrehschleuder Facebook (mit der FB-Community Bauernwiki FragdenLandwirt heute über 12.000 meist aktive FB-Fans)

Finde Argumente und lade sie emotional auf!

War ein Leitsatz, den Markus Cerenak regelrecht predigte. Denn wenn die Argumente emotional berühren würden, dann würde beim Leser der „Sharing-Reflex“ ausgelöst: Er teilt seinen Freunden freudig mit was er da Tolles gelesen, gehört, gesehen hat. Die aktive Facebook-Community hat den Zweck gleich zu Anfang durch aktives Sharing ein gewisses Grundrauschen im Netz zu erzeugen, ähnlich wie beim Flugzeug das zum Starten die Schubkraft zum Abheben braucht.

Diese Strategien kann man übrigens in vielen Blogger-Seiten nachlesen. Ich habe vor mehr als einem Jahr bei Markus Cerenak aus Wien sogar einen kostenpflichtigen Online-Bloggerkurs absolviert, wo Markus genau diese Strategie ausführlich promotete. An der Stelle Markus, möchte ich mich ganz herzlich bei Dir bedanken. Ohne Dein geniales Wissen, würde heute Bauer Willi nicht so im Fokus der Medien stehen. Vielen Dank! 🙂

Spielsystem

Pep Guardiola als Erfolgs-Trainer des FC Bayern ist auch nicht in der Lage die Tore zu planen. Aber er hat eine Zielvorstellung von seinem Spielsystem, baut die passenden Spieler auf (oder kauft sie). Er weiss, wenn sein Spielsystem, seine Strategie passt, dann fallen die notwendige Tore um sehr oft zu gewinnen und um an Ende weit oben zu stehen.

In diesem Sinne wünsche ich mir motivierte Trainer und Mitspieler, die mit uns (Bauer Willi und Netzlandwirt) gemeinsam Internet-Strategien aushecken und vorantreiben, damit Bauerwilli kein Einzelfall bleibt und die Landwirtschaft in ferner Zukunft mehr Fans hat als Greenpeace. Schaff Dir Dein Netz

Alois

5 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hallo Alois,
    sehr guter Beitrag! Ich bin gewissermaßen ein gutes Beispiel, wie das funktioniert mit Social Media. Irgenwie ist der „Wutbrief“ über Facebook bei mir gelandet, ich kann gar nicht mehr sagen wie oder über wen. Tatsache ist, dass ich darüber auf Deine/Eure Seiten gekommen bin und seit dem den Newsletter abonniert habe.
    Ich selber bin „nur“ Verbraucher, interessiere mich aber als unmittelbarer Nachbar eines ebenfalls sehr engagierten Biobauern für die Landwirtschaft und die nachhaltige Erzeugung unserer Lebensmittel – vielleicht dadurch etwas mehr als manch anderer.
    Ich finde es auch wichtig, dass die Zahl der „Fans“ für die Landwirtschaft und unsere Erzeuger (egal ob Bio oder konventionell) unbedingt erhöht werden muss und hoffe, dass Euer Bemühen dazu beiträgt!
    Gruß aus Oberbayern,
    Paul

    1. Hallo Paul,
      danke für Deinen Kommentar. Wir (Willi und ich) lernen auch jeden Tag dazu. Wir wollen unbedingt den Draht zu den Verbrauchern ausbauen. Ich bin da auch ganz optimistisch. Allerdings geht sehr viel Zeit da rein. So rein Spaß halber werden wir das nicht auf Dauer leisten können. Darum suchen wir auch Partner. Und basteln an erweiterten Konzepten.
      Mal sehen, wie weit wir kommen?
      Halte uns auf jedenfall die „Stange“

      Herzliche Grüße aus dem Allgäu
      Alois

  2. Da im Hintergrund bei mir gerade ein Bayern-Spiel läuft, ist Pep Guardiola ein gutes Beispiel: Er arbeitet einfach professionell und von dieser Art der Professionalität könnten sich viele Landwirte, Agrarunternehmen oder Lohnunternehmer etwas abschauen.
    Als PR-Agentur unterstützen wir ein Agrarunternehmen bei der Kommunikation – würden das gerne auch für weitere Marktteilnehmer tun. Aber bei dem meisten, sagen wir mal mittelgroßen Firmen stoßen wir auf eine diffuse Ablehnung von Pressearbeit, PR oder digitalen Aktivitäten.

    Das Feld ist den meisten einfach zu unbekannt und deshalb können sie hier auch nicht professionell vorgehen. Das wäre aber unerlässlich, um auf breiter Ebene mehr Verständnis und Vertrauen für die heutige (sehr moderne) Landwirtschaft zu schaffen.

    Fazit: Mehr „Kommunikations-Ausbildung“ für die Player in der Agrarbranche = mehr Verständnis für die Landwirtschaft aus der Gesellschaft. Zu ersterem leisten Sie hier ja schon einen guten Beitrag. danke!

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