Das Dilemma nicht zu kommunizieren

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Jeder kennt den Spruch:

„Keine Antwort ist auch eine Antwort!“

Die Landwirtschaft, die Landwirte und landwirtschaftliche Unternehmer geben keine Antworten auf die kommunikativen Prozesse der Bevölkerung.

Doch nicht nicht kommunizieren geht nicht, (Wissenschaftlich beschrieben durch Paul Watzlawik)

Die Folgen sind, daß große Schichten der Gesellschaft die Landwirte nicht verstehen. Und da diese inzwischen die Mehrheiten bilden, entstehen Meinungen und daraus Verordnungen und Gesetze gegen die Landwirte und deren Arbeit.

Erfolgreich und doch verkannt

Folgende Story zeigte mir das: Vortag des Geschäftsführers einer sehr erfolgreichen Betriebsgemeinschaft am letzten Wochenende

  • Wachstum von 50 auf fast 2000 ha
  • Von 32 Schleppern (3500PS)  auf 6 (1600PS) reduziert
  • 200 € je ha weniger Kosten als der Landesdurchschnitt
  • Geregelte Arbeitszeiten usw.

Ein sehr durchdachter und professioneller Weg vom alten Bauernhof zum profitablen Großbetrieb mit fast 2000 ha. Man spürte förmlich, wie dieser Mann dieses Konzept lebte.

Er begeisterte mit seinem selbstbewussten Fazit:

„Die Kosten im Griff haben und die technischen Möglichkeiten voll ausnutzen!“

Doch seinen begeisternder Vortrag beendete er jäh mit einer mehr als nachdenklichen Darstellung:

  • Fachkräftemangel
  • Extreme Klimaveränderungen
  • zunehmende Pflanzenschutzresistenzen (die Mittel wirken nicht mehr)
  • Verständnisprobleme mit der Bevölkerung

würden  das erfolgreiche Konzept in der Zukunft behindern. Und es wurden von ihm auch eindeutig Schuldige genannt: Die satte, ökologisch denkende Bevölkerung und deren politische Fraktionen, die doch überhaupt keine Ahnung und kein Verständnis mehr für Landwirtschaft hätte. Der Berufsstand sei hier massiv gefordert.

Ich war so geschockt, dass ich ihn nach dem Referat unter Vier Augen fragte, ob er sich nicht vorstellen könnte für seinen Vorzeigebetrieb Öffentlichkeitsarbeit zu machen, indem er einen Blog auf die Beine stellt. Doch die Antwort schockte mich noch mehr:

„Ich brauche das nicht zu machen, denn ich habe keine direkten Kunden!“

Und genau da sehe ich das Dilemma der Landwirtschaft:

Zu meinen man könne es sich leisten nicht zu kommunizieren.

Die satte, ökologisch denkende Bevölkerung und die Medien stellen im Prinzip dem Landwirt auf vielen Kanälen kritische Fragen. Da er keine Zeit hat und auch keine Notwendigkeit sieht auf diese Kommunikation zu antworten, antwortet er eben doch!

Seine Antwort: „Macht doch was ihr wollt!“

Ja, genau das geschieht. Die Folgen spürt der Vorzeigeunternehmer auch sehr deutlich.

Der Weg aus dem Dilemma kann nur aktive Kommunikation sein. Wir brauchen mehr landwirtschaftliche Unternehmer, die auch an der modernen Informationsgesellschaft teilnehmen.

Warum starten Landwirte nie Blogs?

OK, Homepages findet man schon, aber statisch ein paar nette Bildchen und schöne Marketingsätze, das wars dann. Da kommt wenig rüber.

Die Verarbeitungsindustrie macht ganz selbstverständlich laufend Imagearbeit, Meinungsbildung und Marketing. Aber der Landwirt ist aus Sicht der Industrie ein Rohstofferzeuger, dessen Aufgabe es ist, möglichst hohe Qualität zu niedrigen Preisen zu erzeugen.

Arla ist schwedisch und bedeutet früh am Morgen.

Die dänische Genossenschaft Arla-Foods, längst ein gobal Player scheint wirklich früher aufzuwachen als der deutsche Rest.

Hier läuft es anderst. Hier wird der Landwirt, der Erzeuger mit in den Fokus gestellt. Hier wird auch konsequent modern kommuniziert, z.B. mit aktiver Präsenz in Social Media und eigenem YouToube-Channel.

Doch bloggende Landwirte gibts auch. Zaghafte Anfänge sieht man hier: https://www.facebook.com/ueberland/posts/639309196107245

Ich stelle hier die Behauptung auf, dass Landwirte wohl darin keinen Sinn sehen? Und dann natürlich für sowas keine Zeit haben?

Dazu ein ganz aktueller Artikel: Warum Du nie einen Blog anfangen wirst!

Schade, dass dieser kluge, gebildete  Geschäftsführer nie sein enormes Expertenwissen der Öffentlichkeit preisgeben wird! 🙂

Ich mache es jetzt mal wie Cato der Ältere:

„Im übrigen bin ich der Meinung, dass NetzLandwirte bloggen sollten.“

 

Alois

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12 Kommentare, sei der nächste!

  1. Sehr interessanter Artikel und grob gesehen wird diese Thematik , Bezug zu verschiedenen Landwirten , vor allem um Wien herum bald auch für mich ein Thema sein.
    Kochen , Ernährung oder auch Nachhaltigkeit hängen direkt und indirekt damit zusammen.

    1. Hallo Sebastian,
      Ernährung und Nachhaltigkeit. Das ist wirklich ein sehr sehr wichtiges Thema weltweit. Ich freue mich immer, wenn Verbraucher nachfragen. Auch kritisch. Heisst das doch, dass sie sich dafür interessieren.

      Ich beobachte auch die Entwicklungen der CSA, der Community Supported Agriculture. Ein Trend, der aus Amerika kommt.
      Ein Landwirt, ein Hof, bietet einer Gemeinschaft von Verbrauchern an für sie zu produzieren. So ernähren quasi die Verbraucher den Hof.

      Werde ich demnächst in diesem Blog mal angehen.

      Herzliche Grüße aus dem Allgäu

      Alois

      1. Hallo Alois,

        interessanter, sehr guter und wichtiger Bericht, denn ich glaube auch, dass die Landwirtschaft unbedingt mehr tun muss, um von den Bürgern und Verbrauchern verstanden zu werden. Doch der einzelne Landwirt hat dafür sicher selten Zeit oder nicht die Professionalität.

        Ein professionelles Auftreten gehört letztlich auch dazu, um ernstgenommen zu werden. Darum ist es erfreulich, wenn Leute aus der Branche mit Engagement und Kompetenz dabei sind und ich hoffe, dass das in Zukunft mehr werden.

        Bin gespannt auf das Video, das zu diesem Thema am Mittwoch im Netz zu sehen ist.

        Mit vielen Grüßen aus dem Rheinland

        Anke

        1. Hallo Anke,
          die Frage ist doch auch, wer ist „die Landwirtschaft“?
          Ich sehe das ganz praktisch. Die Landwirtschaft als handelnde Instanz gibt es nicht, sondern nur den Landwirt, der auch sowohl Unternehmer als auch Mensch ist. Egal ob groß, ob klein.
          Jeder will, jeder braucht Anerkennung für sein tun. Darum ist es eigentlich das Natürlichste, dass jeder auch etwas dafür tut um gut dazustehen.
          An der Stelle fehlt es meiner Meinung nach an der Motivation vieler Landwirte. So wie ich es in dem Beitrag geschrieben habe, sieht der Unternehmer hier keine Notwendigkeit etwas zu tun, weil er sich keinen direkten Ertrag daraus verspricht.
          Das ist zu kurzsichtig!

          Nun, was tun? Meine Antwort heisst Vernetzung, auch über die Kreise der Landwirtschaft hinaus.
          Vernetzung: privat, unternehmerisch, politisch.
          Jeder Landwirt, jeden Tag eine Viertelstunde Arbeitszeit für Vernetzung und Aussendarstellung. Gäbe bei Drei hundertausend Landwirten 75.000 Stunden am Tag oder 27 Mio Stunden Manpower im Jahr.

          Herzliche Grüße aus dem Allgäu

          Alois

      2. Hallo Alois, die von Dir beschriebene „solidarische Landwirtschaft“ funktioniert immer nur da, wo Märkte nicht funktionieren. Also wo ich durch eigenes, finanzielles Engagement etwas generieren möchte, was es noch nicht gibt. Das wurde hier (http://www.iamo.de/dok/dp144_a.pdf) gut untersucht und zwar für Rumänien und Ökoprodukte.

        1. Hallo Klemens,
          vielen Dank für den Tipp. Ich werde mir das genau anschauen. Mich interessiert das Thema sehr.

          Herzliche Grüße aus dem Allgäu
          Alois

  2. Hallo Alois,

    wow, ich bin begeistert! Ich denke, als Landwirt zu bloggen ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Denn dies bietet die Möglichkeit z.B. mich Nichtwissenden-Verbraucher/Konsumenten über „ökologisch-biologisch-nachhaltigen“ Anbau, Pflanzenschutzresistenzen, etc. aufzuklären. Anderseits eignet sich ein Blog wie dieser natürlich auch zum Vernetzen mit anderen Landwirten – und in Kombination mit Apps und Online-System-Lösungen – Einfach Super! So viel Offenheit für Medien könnte auch dem einen oder anderem Unternehmen mit „normaler Büroarbeit“ manchmal ganz gut tun. 😉

    Viele Grüße
    aus Sachsen
    Ellen

    1. Hallo Ellen,
      es freut mich wenn Du begeistert bist.
      Ich meine allerdings es ist keine besondere Leistung als Landwirt zu bloggen. Blogs sind für alle Leute und Gesellschaftsschichten interessant und nützlich.

      Mein Ziel ist aber schon vor allem Landwirte dabei zu unterstützen die Möglichkeiten es Internet zu nutzen. Auch um zu bloggen.

      Stell Dir mal vor, wenn tausende Landwirte über ihre spannende Arbeit hautnah berichten würden? Es würde ein wesentlich menschlicheres Bild der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit entstehen.
      Aber das wird schon. Da bin ich überzeugt.

      Herzliche Grüße aus dem Allgäu
      Alois

  3. Hallo! Da muss ich voll und ganz zustimmen! Die Landwirte haben zwar alle Möglichkeiten, zum Internet und zur modernen Technik Zugang zu haben. Doch leider nutzen sie ihn nicht zu ihrem Vorteil. Im Internet sind die meisten von ihnen (bestenfalls) Konsumenten von Informationen auf Infoportalen, Zeitungen und Magazinen usw. Doch wenn es darum geht, selbst Inhalte zu produzieren, sind sie viel zu zaghaft! Damit verpassen sie die Chance, darauf Einfluss zu nehmen, wie sie dargestellt und gesehen werden… Dabei ist das alte Klischee, dass Landwirtschaft und Technik nicht vereinbar seien, schon längst veraltet! Das zeigt zum Beispiel die Präsenz von Marken wie Claas und John Deere auf der Cebit. Aber technologische Neuerungen sollten nicht nur dazu da sein, durch moderne Maschinen die Arbeit zu erleichtern. Sondern auch der restlichen Bevölkerung zu zeigen, worin diese Arbeit eigentlich besteht. Würden die Landwirte mehr über sich und ihre Arbeit kommunizieren, wie du sagst, täten sie sich einen riesigen Gefallen!

    1. Hallo Klaus,

      Du sprichst das sehr klar aus, in Deinem letzten Satz.
      Die Image Videos von Medien und Verbänden und auch die PR-Arbeit bringen niemals so authentische Emotion und auch Wahrheit über die Bauern rüber.
      Ich bin aber guter Dinge, dass sich da was zum guten bewegen wird.

      Herzliche Grüße aus dem Allgäu
      Alois

  4. Ich danke Ihnen für den interessanten Artikel. Gerade wegen der Kommunikation finde ich es von Vorteil, dass immer mehr Landwirte auch die Vorzüge des Internets nutzen und Ihre Arbeit in Blogs darstellen und dokumentieren. So ist auch die Zusammenarbeit zwischen den Landwirten einfacher.

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